So schlau ist die Muttersau

Deutsche Wildtier Stiftung
Deutsche Wildtier Stiftung

„Familie Wildschwein“ hat jetzt Nachwuchs. Die ersten zwei Wochen verbringen die Frischlinge in ihrer saugemütlichen Kinderstube, in dem sogenannten Kessel. Das warme Nest hat die Muttersau, die Bache, sorgsam mit Gras und Farn ausgepolstert. Die tierische Mutterliebe ist groß; drei bis vier Monate werden Frischlinge gesäugt. Die Bache verteidigt ihren Nachwuchs vehement. „Wer jetzt beim Spaziergang einer Bache mit Frischlingen begegnet, muss mit einem Angriff rechnen“, warnt Dr. Andreas Kinser, Jagd- und Forstexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. Es ist also Vorsicht geboten: Kräftige Bachen bringen über 100 Kilogramm auf die Waage und ein Biss kann äußerst schmerzhaft sein. Deshalb ist Spaziergängern dringend geraten, die Nähe von Wildschweinen zu meiden. „Frischlinge sind keine Streicheltiere!“

Auch in den Randbezirken von Großstädten wie Berlin oder Hamburg tauchen immer häufiger Wildschweine auf. Dass sie in die Städte vordringen, hängt hauptsächlich mit ihrer Intelligenz und dem Fehlverhalten der Menschen zusammen. Achtlos weggeworfener Müll, Kompost im Garten und volle Abfallkörbe am Straßenrand locken die schlaue Sau in die Stadt. Es ist für Wildschweine viel bequemer, im Wohlstandsmüll zu wühlen, als in der Erde nach essbaren Wurzeln, Regenwürmern und Insekten zu graben. Wildschweine lernen schnell und geben ihr Wissen an den Nachwuchs weiter. Die Tiere verbringen ihre Jugend in Familienverbänden, den sogenannten Rotten. Eine Wildschweinrotte wird immer von einer schlauen Sau, der Leitbache, geführt. Bei Landwirten sind Wildschwein-Rotten gefürchtet, denn sie können erhebliche Fraßschäden anrichten. Wenn der Nachwuchs erst auf eigenen Beinen steht und der Boden im März endgültig aufgetaut ist, zieht die Rotte auf Wiesen und frisch bestellte Felder, um nach Nahrung zu wühlen: gerade eingesäte Getreidekörner sind zu köstlich.

Eva Goris