Bauruine in Babel

Lange Zeit waren wir mit unseren Familien, unseren Tieren, unserem ganzen Besitz von Ort zu Ort gezogen. Wir waren sehr viele. Kinder, Erwachsene, Alte. Eine große Gemeinschaft. Wir waren sehr unterschiedlich. Dennoch verstanden wir uns total gut. Bis, ja, bis wir ein gigan­ti­sches Projekt in Angriff nahmen ...
Julia Gierlach
Julia Gierlach

Wir waren es leid: Zelte aufbauen, Zelte abbauen. Immer unterwegs, bis wir genug saftige Wiesen und Büsche als Nahrung für die Tiere fanden. Da blieben wir, bis alles abgegrast war, – und zogen weiter. Oft mussten wir uns trennen, weil nicht genug Weideland für alle da war. Irgendwo trafen wir wieder zusammen. Dann war die Freude groß.
Eines Tages öffnete sich ein weites, satt-grünes Tal vor uns. Zwischen zwei großen Flüssen erstreckte sich eine fruchtbare Ebene. Wir alle fühlten das Gleiche: Hier war es gut. Hier wollten wir bleiben. Nicht nur für eine kurze Zeit. Es wäre gut, endlich zur Ruhe zu kommen.

Joel sprach aus, was wir alle dachten: „Wie wäre es, wenn wir aus Lehm Ziegel formen und sie brennen würden? So könnten wir Steine herstellen. Steine, aus denen wir feste Häuser bauen könnten. Eine Stadt.“ Miriam schaute versonnen in das Tal: „Wir würden ein allerletztes Mal unsere Zelte aufbauen. Und wenn die Häuser fertig sind, dann müssten wir nie mehr weiterziehen.“ Und Samuel ergänzte: „Wir legen Felder an und Weiden. Dann ist genug da für alle. Und wir müssen uns nicht immer wieder in alle Winde zerstreuen.“ – „Wir bauen einen Turm, der bis zum Himmel ragt. So zeigen wir weithin, was wir gemeinsam schaffen können. Wir setzen uns ein Denkmal. Unsere Kinder und Kindeskinder werden sich an unsere kühnen Taten erinnern“, träumte Joel.
Gesagt, getan. Wir mussten gar nicht lange diskutieren. Keiner hatte Zweifel daran, dass das fantastische Pläne waren. Keiner von uns kam auf die Idee zu überlegen, ob das wohl Gottes Plan für unser Leben war. Wir hatten schlichtweg vergessen, dass er unserem Urahn Noah eine klare Weisung gegeben hatte: „Seid fruchtbar und vermehrt euch und bevölkert die Erde.“ Die ganze Erde? Uns reichte dieses Stückchen Tal vollkommen.

Rasch wuchsen die Mauern der Häuser empor und schon bald konnten die ersten Familien einziehen. Mit Feuereifer arbeiteten wir an dem Turm.
Wenn ich heute so darüber nachdenke, dann kann ich eigentlich gar nicht sagen, wann sich diese friedvolle Eintracht geändert hat. Es gab keinen Anlass, keinen Streit. Auf einmal gab es Missverständnisse. Wir waren uns nicht mehr einig, wie es weitergehen sollte.  Jeder fing an, sein eigenes Süppchen zu kochen. Wir hörten nicht mehr aufeinander. Wir verstanden uns einfach nicht mehr. Es war, als sprächen wir auf einmal verschiedene Sprachen. Niemand wollte an dem Turm weiterbauen. Berge von Steinen lagen auf der Baustelle herum. Als gigantische Bauruine ragten die Mauern verlassen in den Himmel.

Die ersten Familien zogen aus ihren Häusern wieder aus und wollten lieber irgendwo anders ihr Glück suchen. Viele folgten und siedelten sich in fernen Ländern an. So zerstreuten wir uns weit über die ganze Erde. Aus unserer Gemeinschaft war ein riesiges Durcheinander geworden. Einige von uns blieben zurück. Verwirrt darüber, was hier eigentlich geschehen war. Babel nannten wir unsere Stadt – „Verwirrung“,  „Durcheinander“. Oft habe ich darüber nachgedacht, wie es passieren konnte, dass wir uns nicht mehr verstanden. Dass wir nicht mehr eine gemeinsame Sprache sprachen, sondern jede Sippe ihre eigene Sprache entwickelte. Ich kann mir das nur so erklären: Wir hatten Gott und seinen Auftrag vergessen. Wir hatten nur an uns gedacht. Gott und unsere Mitmenschen aus dem Blick verloren. Das hatte uns nach und nach entzweit, voneinander getrennt  und zu einer gewaltigen Sprachverwirrung geführt.

Monika Schell
Die Menschen in Babel hatten eine kühne Vision: einen Turm, dessen Spitze bis in den Himmel ragt. Alle zogen bei diesem gigantischen Projekt an einem Strang. Und was, bitte schön, ist verkehrt daran, Neues zu wagen und dabei zusammenzuarbeiten?

Nichts. Verkehrt ist es, wenn die Menschen dabei Gott vergessen und nur sich selbst ein Denkmal setzen wollen. Sie tun das nicht, weil sie die Menschheit voranbringen oder Gutes tun möchten.
Wenn es Forschern und Entdeckern, Bauherren und Strategen nur noch darum geht, ihre Größe und Genialität zu beweisen, hat das oft katastrophale Folgen: Sie  verlieren die Menschen aus dem Blick. Das kann jedem von uns passieren. Deshalb ist es gut, ab und an innezuhalten und sich zu fragen: Warum tue ich das alles eigentlich? Um mir ein Denkmal zu setzen oder für Gott und die Menschen? Es ist eine gute Idee, die Fastenzeit dafür zu nutzen.
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