Heuschrecken und Honig

Ich fand ihn irgendwie gruselig. Und gleichzeitig total faszinierend. Deshalb versteckte ich mich, so oft ich konnte, am Ufer des Jordan. Von meinem Posten aus konnte ich genau beobachten, was dieser seltsame Typ trieb.
Illu: Julia Gierlach
Illu: Julia Gierlach

Meistens stand er mitten im Fluss. Das Wasser triefte aus seinen Klamotten. Nicht, dass das etwas ausgemacht hätte. Auch trocken sah er abgerissen und gammelig aus. Er trug ein zotteliges Kamelfell als Umhang. Zusammengehalten wurde das Ganze von einem Gürtel. Man munkelte: Er ernährte sich von wildem Honig und – halte dich fest – Heuschrecken. Pfui Spinne! Offensichtlich fanden viele Leute diesen schrägen Vogel spannend. Oft standen sie dicht gedrängt am Ufer. Ich erfuhr: Der Mann hieß Johannes. Er war der Sohn eines unserer angesehnsten Priester. Kaum zu glauben!

Johannes sprach sehr eindringlich zu den  Menschen: „Bisher ist vieles nicht gut gelaufen in eurem Leben. Da gab es viel Egoismus. Und Machtgier. Kehrt um! Verändert euer Leben!“ Einige kletterten zu ihm in den Fluss und ließen sich untertauchen. Es sah aus, als würde er sie waschen. Ihr altes Leben abwaschen. „Taufen“ nannte er das. Aber so harmlos und friedlich war er nicht an allen Tagen. Einmal beschimpfte er seine Zuhörer: „Ihr Schlangenbrut! Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.“  Ein Schauer lief mir über den Rücken. Den Erwachsenen ging es wohl ähnlich: „Was sollen wir denn tun?“, fragten sie ihn. „Misshandelt und erpresst niemanden. Wer zwei Gewänder hat, der gebe dem eines, der keines hat. Und wer zu essen hat, gebe dem etwas ab, der nichts hat.“

Nicht schlecht, fand ich. Wäre doch echt eine gute Sache, wenn jeder nicht nur an sich denken würde. Ja, irgendwie fand ich diesen komischen Johannes auch stark. Wie mutig der die Erwachsenen auf ihre Fehler ansprach! Was der für gute Ideen hatte! Wie der die Massen bewegte! Das faszinierte mich. Doch er selber erklärte immer wieder: „Nach mir kommt einer, der ist viel stärker als ich. Ich bin es nicht mal wert, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.“ Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wer das sein könnte.

Aber dann lernte ich ihn kennen: Er hatte unter den Leuten am Ufer gestanden und Johannes zugehört. Langsam stieg er in den Fluss hinein und ging auf Johannes zu. „Taufe mich!“, bat er. Unverwandt sah Johannes ihn an. Ich denke, er kannte ihn. Denn er sagte: „Ich müsste von dir getauft werden. Nicht du von mir.“ Der Mann forderte Johannes auf: „Lass es nur zu und taufe mich!“ Kaum war er aus dem Wasser wieder aufgetaucht, da öffnete sich der Himmel. Strahlend hell wurde es. Und eine Stimme sprach: „Dies ist mein geliebter Sohn.“ In diesem Moment war ich mir sicher: Da spricht Gott. Der Mann da im Fluss, das ist Gottes Sohn. Stärker geht ja wohl nicht.
 
Johannes hatte eine ziemlich große Fan-Gemeinde. Viele Leute folgten ihm und bewunderten ihn. Aber er wusste ganz genau: Ich bin nur ein kleines Licht in Gottes Plan. „Rufer in der Wüste“, „Wegbereiter“, nannte er sich selbst. Er sollte die Leute wachrütteln; aufmerksam machen darauf: Bald geschieht etwas ganz Besonderes. Etwas ganz Wichtiges und Großes. Und, was ist das? Gottes Sohn, Jesus Christus, lebt bei den Menschen. Nach seiner Taufe im Jordan wanderte Jesus drei Jahre lang durch das Land, heilte die Menschen und erzählte ihnen von Gott.

Diese spannende Geschichte findest du im Lukas-Evangelium, Kapitel 3, die Verse 1 bis 22.
Illu: Julia Gierlach

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