Das Grab ist leer

Jesus ist tot. Von seinen Freunden in einer Grabhöhle beerdigt. Ein dicker Stein liegt vor dem Grab. Doch da verbreitet sich eine unglaubliche Nachricht.
Illu: Julia Gierlach
Illu: Julia Gierlach

Seit zwei Tagen saßen wir schweigend zusammen. Lachen und Scherzen waren uns gründlich vergangen, als Jesus am Freitag gekreuzigt wurde. Wir konnten das alles nicht fassen. Es war so schnell gegangen: Am Sonntag hatten die Leute ihm noch zugejubelt: „Hosianna!“, hatten sie gerufen und ihn wie einen König begrüßt. Und wenige Tage später brüllten sie: „Kreuzige ihn!“ Und das hatte Pilatus getan. Brutal, grausam und endgültig. Wie betäubt saß ich hier mit den anderen. Mein bester Freund war tot. Und mit ihm alle meine Hoffnungen und Ideen. Ich hatte Jesus geliebt. Und er mich. In jedem Blick und jeder Geste hatte ich das gespürt. Jetzt hockte ich hier: blind und taub und leer vor lauter Schmerz und Verlassenheit.

Der Morgen graute bereits, aber kaum einer von uns hatte geschlafen. Ich war fix und fertig. Fühlte mich wie zerschlagen. Da hörte ich Schritte auf der Treppe zum Obergeschoss. Erschrocken fuhr ich aus meinem Dämmerzustand auf: Jetzt würden die Soldaten uns auch holen. Als Freunde eines Hochverräters und Staatsfeindes standen wir sicherlich als Nächste auf der Liste. Doch dann wurde mir bewusst: Da klappern keine Soldatenstiefel. Da scheppern keine Waffen. Das waren die leichten aber eiligen Schritte einer Frau. Und schon klopfte es an der Tür. Ängstlich sahen wir uns an. Dann gab Petrus sich einen Ruck und ging  zur Tür. Er schob den  Riegel zurück. Er hatte die Türe noch nicht ganz geöffnet, da redete die Frau auch schon auf ihn ein. Es war Maria. Eine unserer Freundinnen. Sie hatte Petrus am Arm gepackt. „Jesus ist weg! Sie haben ihn aus dem Grab weggenommen. Und wir wissen nicht, wohin sie ihn gebracht haben.“ Tränen rannen über ihr Gesicht. „Warum tun sie das? Sein toter Körper ist doch alles, was uns geblieben ist!“

Völlig verständnislos starrte ich sie an. Jesus weg? Ich stieß Petrus an: „Komm!“ Und schon stürzte ich die Treppe hinunter. Ich musste das selber sehen. Vielleicht hatte Maria nicht genau nachgeschaut. Vielleicht war das alles nur ein grausamer Irrtum. Wie gehetzt rannte ich durch die Straßen zu dem Garten, in dem das Grab lag. Bald hörte ich Petrus hinter mir keuchen. Das Grab war offen. Der schwere Stein, der das Grab verschlossen hatte, war zur Seite gewälzt. Beklommen ging ich auf das Grab zu. Aber ich traute mich nicht hinein. So weit es ging, beugte ich mich vor und versuchte, etwas im Dunkeln zu erkennen.

Das Grab war leer! Fast leer. In einer Ecke schimmerten die hellen Leinenbinden, mit denen Jesus eingewickelt worden war. Sie waren säuberlich zusammengelegt. Irgendwas irritierte mich daran. Da schob Petrus mich zur Seite und ging in das Grab hinein. Vorsichtig folgte ich ihm. Ja, da lagen die Leinenbinden. Und in einer anderen Ecke war das Tuch, auf dem Jesu Kopf gelegen hatte, akkurat zusammengefaltet. Ratlos schüttelte ich den Kopf. Warum sollte ein Leichendieb sich die Mühe machen, die Leiche aus den Tüchern zu wickeln? Und sie dann auch noch ordentlich zusammenfalten? Diebe hatten für so was keine Zeit. Schließlich mussten sie ständig damit rechnen, entdeckt zu werden. Nein! Hier waren keine Diebe am Werk gewesen. Hier war etwas anderes geschehen. Langsam, aber unaufhaltsam formte sich ein Gedanke in meinem Kopf und in meinem Herzen: Was, wenn es wahr wäre? Wenn Jesus, wie er vorausgesagt hatte, lebte? Dunkel erinnerte ich mich an seine Worte: „Die Welt sieht mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet.“ Verstehen konnte ich diese Worte nicht. Jesus war gestorben. Ich selber hatte unter seinem Kreuz gestanden. Aber ich würde ihn wiedersehen. Daran glaubte ich.

Monika Schell
Das Grab ist leer. Jesus lebt. Schwer zu glauben. Zu verstehen schon gar nicht. Und doch erleben und spüren die Freunde Jesu: Es ist wahr. Wissenschaftlich beweisen kann das niemand! Keiner kann erklären, wie Gott das gemacht hat. Und es gibt keine Beweisfotos vom Tatort. Es gibt nur Menschen, die von dieser Erfahrung des Lebens erzählen. Damals und heute. Und jeder kann sich entscheiden, ob er das für möglich halten möchte. Oder ob er das ablehnt.

Diese Erzählung findest du im Johannes-Evangelium, Kapitel 20, die Verse 1 bis 10.
Illu: Julia Gierlach

Ein tödlicher Mix

In Jerusalem herrschten Ruhe und Ordnung. Doch unter der Oberfläche brodelte es gewaltig. Die Menschen warteten nur auf eine passende Gelegenheit, um die römischen Besatzer aus ihrem Land zu vertreiben. Sie hofften auf einen Retter.
Illu: Julia Gierlach

Brot aus Steinen

Ich bin ein Kind der Wüste. Sonne, Wind und Sturzfluten haben mich geformt. Im Felsen-Geröll der judäischen Wüste bin ich nur ein Stein unter vielen. Aber ich fühle mich durchaus bedeutsam. Und das hängt mit einem Erlebnis zusammen, das sich vor fast 2.000 Jahren ereignete.
Illu: Julia Gierlach

Heuschrecken und Honig

Ich fand ihn irgendwie gruselig. Und gleichzeitig total faszinierend. Deshalb versteckte ich mich, so oft ich konnte, am Ufer des Jordan. Von meinem Posten aus konnte ich genau beobachten, was dieser seltsame Typ trieb.
Illu: Julia Gierlach

Eine große Freude

Weihnachten im Jahre null in Israel. Engel verkünden den Hirten auf den Feldern von Betlehem die frohe Botschaft von der Geburt Jesu. Aber nicht alle können damit etwas anfangen.