Eine große Freude

Weihnachten im Jahre null in Israel. Engel verkünden den Hirten auf den Feldern von Betlehem die frohe Botschaft von der Geburt Jesu. Aber nicht alle können damit etwas anfangen.
Illu: Julia Gierlach
Illu: Julia Gierlach

Fürchtet euch nicht! Denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll.“ Na toll! Mir war kalt. Ich hatte Hunger. Und außerdem hatte ich echt Stress. Eines der Schafe war mir abhandengekommen. Überall hatte ich schon nach dem blöden Vieh gesucht. Nichts. Und dann war es plötzlich hell geworden. Mitten in der Nacht. Ein himmlischer Gesang erfüllte die Luft. Und die Stimme eines Engels erklärte das mit der Furchtlosigkeit und der Freude. Leider half mir das gar nichts. Das Licht war zwar hell. Aber das Schaf fand ich trotzdem nicht. Der Besitzer der Schafe würde mich rauswerfen oder zumindest meinen Lohn für die nächsten Monate drastisch kürzen. Es reichte eh kaum zum Leben. Ein wirklich guter Grund, mich mächtig zu fürchten.

Und worüber sollte ich mich freuen? „Der Retter ist geboren. Christus der Herr“, meinte der Engel. Mich rettete hier gar keiner. Hatte auch noch nie einer. Meine Eltern hatten sich immer nur gestritten. Ums nicht vorhandene Geld. Um die nicht vorhandene Karriere meines Vaters. Um die ewigen Quengeleien meiner Mutter. Um mich, ihren missratenen Sohn. Mit zwölf war ich von zu Hause abgehauen. Nix gelernt. Kein netter und charmanter Kerl. Ich konnte echt froh sein, dass ich den Job als Hirte bekommen hatte. Kein üppiger Lohn, aber besser als betteln. Nicht, dass die anderen Hirten sich viel aus mir gemacht hätten. Aber sie duldeten mich zumindest.

Andächtig hatten sie den Worten des Engels gelauscht. Und machten sich dann auf den Weg, um diesen Retter zu suchen. Bescheuerte Idee. Wer wollte uns Verlierer schon retten? Seit die Soldaten des römischen Kaisers unser Land besetzt hielten, versuchte jeder nur, seine eigene Haut zu retten. Jeder dachte nur an sich: sein Geld, sein Häuschen, seine Familie. An arme, kranke, alte und hilflose Menschen verschwendete keiner mehr als einen flüchtigen Gedanken.

Frustriert rollte ich mich in meinen Mantel und versuchte zu schlafen. Da schubste mich jemand an. Blitzschnell packte ich meinen Knüppel und wollte zuschlagen. Ein Blöken hielt mich zurück. Das Schaf! Es war zurückgekommen. Ganz von alleine. Ich war gerettet! Ich spürte, wie die Angst von mir abfiel. Noch mal Glück gehabt. Erleichtert kraulte ich dem Schaf den dicken, wolligen Nacken. „Retter!“, summte es in meinem Kopf. „Eine große Freude.“ Nachdenklich schaute ich in den dun-klen Himmel. Ein seltsamer Stern stand dort oben. Gar nicht so weit entfernt. „Komm mit!“, forderte ich das Schaf auf. „Wir können ja wenigstens mal sehen, ob etwas dran ist. An dieser Geschichte von den Engeln.“

Der Stern stand über einem alten, wackligen Stall. Meine Hirten-Kumpels saßen davor. „Wie gut, dass du doch noch kommst“, freute sich Mattis, unser Ältester. Zögernd trat ich durch die Türe. In einer Futterkrippe lag ein neugeborenes Baby. Es war in Windeln gewickelt. Die junge Mutter hatte sich erschöpft in die Arme eines älteren Mannes gekuschelt. „Na, wenn das mal der Vater ist“, schoss es mir durch den Kopf.

Neugierig betrachtete ich den kleinen Jungen. Er war genau wie ich. Ein Verlierer auf der ganzen Linie. Unehelich geboren in einem ärmlichen Stall. Wirklich ideale Startbedingungen für ein erfolgreiches Leben ... Der Stress war schon vorprogrammiert. Ich konnte ihn geradezu vor mir sehen. Ganz nah fühlte ich mich diesem kleinen Menschlein. So nah, wie noch niemals einem Menschen. Eine ganz große Freude breitete sich in mir aus. Jetzt wusste ich, was der Engel gemeint hatte.

Monika Schell
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Die Weihnachtsgeschichte findest du im Lukas-Evangelium, Kapitel 2, 1 bis 21.
Illu: Julia Gierlach

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