Krasses Erlebnis im Kerker

Paulus reiste durch die Welt und erzählte überall von Jesus Christus. Aber längst nicht alle waren begeistert von seiner Botschaft. Er handelte sich damit eine Menge Ärger ein.
Julia Gierlach
Julia Gierlach

Als Kerkermeister habe ich schon viele üble Dinge mitgemacht. Und ich bin nicht zimperlich. Aber was ich mit Paulus und seinem Kumpel Silas erlebte, war eine ganz spezielle Nummer. Ich saß gerade gemütlich mit meiner Familie beim Abendessen, da bollerte es an der  Tür. Ärgerlich riss ich die Tür auf: „Was wollt ihr?“, bellte ich die Knechte an, die dort standen.
Aber dann sah ich auch schon den Grund der Ruhestörung. In ihrer Mitte zerrten sie zwei Männer mit sich. Die Kleider hingen ihnen in blutigen Fetzen vom Leib. Sie konnten sich kaum aufrecht halten. Offensichtlich waren sie brutal ausgepeitscht worden.

„Du sollst die Kerle in den Kerker stecken und gut auf sie aufpassen“, brummte einer der Knechte. „Was haben sie denn verbrochen?“, wollte ich wissen. Sie mussten schlimme Bösewichte sein. Sonst hätte man sie nicht so übel zugerichtet. „Dieser Paulus hier“, er knuffte dem einen Mann so heftig in die Seite, dass er zusammenzuckte, „der hat bei einer Wahrsagerin den Geist vertrieben, der ihr geholfen hat. Jetzt kann sie die Zukunft nicht sehen. Ihre Besitzer sind stinksauer. Sie verdienen kein Geld mehr mit ihr.“ Hm, dachte ich, das muss ein mächtiger Mann sein, wenn er sogar Geister austreiben kann. Als hätte Paulus meine Gedanken gelesen, hob er den Kopf: „Nicht ich habe den bösen Geist aus dieser Frau vertrieben. Das ist im Namen Jesu Christi geschehen.“ Nachdenklich sah ich Paulus an. Jesus Christus. Überall hörte man von ihm. Wer das wohl sein mochte?

Ich wies die Knechte an: „Ihr könnt gehen. Mit diesen zwei jämmerlichen Gestalten werde ich schon alleine fertig.“ Ich holte die Kerkerschlüssel und meinen Dolch. Nur so zur Sicherheit. Doch die beiden ließen sich ohne Widerstand abführen. Ich steckte sie in den hintersten Kerker und schloss ihre Füße in einem massiven Block ein. Daraus konnte sich keiner befreien. Hinter mir sperrte ich die Kerkertür gut ab, ging wieder in mein Haus und legte mich schlafen.
Ich lag kaum, da hörte ich Musik. Ein Lied. Ich lauschte. Der Gesang kam aus dem Kerker. Noch nie hatten die Gefangenen in den finsteren, stinkenden Verliesen gesungen. Das mussten die beiden Neuen sein. Seltsame Typen. Ab und an konnte ich ein Wort verstehen. Sie lobten und priesen ihren Gott für seine wunderbaren Taten. Die hatten nicht alle Tassen im Schrank. Ausgepeitscht und eingesperrt Gott zu loben! Irgendwann schlief ich ein. Doch ich wurde unsanft geweckt. Das ganze Haus bebte und wackelte. Tonkrüge und Schalen fielen um und zerbrachen. Fenster und Türen flogen auf.

Ich sprang von meiner Matte auf, packte meine Schlüssel, den Dolch und stürmte ins Gefängnis. Auch hier hatte das Erdbeben die Türen aus den Angeln gerissen. Alles stand offen. Panik stieg in mir auf. Die Gefangenen. Sie waren entwischt. Das würde man mir nicht durchgehen lassen. Ich war für sie verantwortlich, was immer auch geschah. Ich riss den Dolch aus dem Gürtel und wollte mich umbringen. Doch eine Stimme gebot mir Einhalt: „Nicht! Tu dir nichts an! Wir sind alle noch da.“
Ich stürmte in das Verlies hinein. Tatsächlich! Alle Gefangenen waren noch da. Die Ketten und Fesseln waren abgefallen. Doch sie saßen friedlich da. Ich konnte es nicht fassen. „Bitte, kommt mit mir“, bat ich Paulus und seinen Freund. „Sagt mir, wer dieser Jesus ist, dem ihr dient. Was muss ich tun, um zu ihm zu gehören?“ Paulus nickte mir freundlich zu: „Glaube an Jesus, den Herrn, und du wirst gerettet werden.“ Zu Hause wusch ich den beiden die Wunden aus. Meine Frau bereitete ihnen Essen zu. Sie erzählten uns von Jesus. Und wir alle ließen uns taufen.

Monika Schell
Paulus und Silas stehen zu ihrem Glauben. Egal, ob sie dafür ausgepeitscht werden oder ins Gefängnis gehen müssen. So überzeugen sie die Mitgefangenen, den Kerkermeister und seine Familie.
Wie überzeugend sind wir eigentlich? Wir kommen nicht ins Gefängnis, weil wir Christen sind. Trotzdem fällt es uns manchmal schwer, zu unserem Glauben zu stehen: Weil es peinlich sein könnte. Weil wir Angst haben, ausgelacht oder Außenseiter zu werden. Weil glauben nicht „in“ ist. Aber Paulus meint: mutig sein lohnt.

Die Befreiung des Paulus und des Silas aus dem Kerker findest du in der Apostelgeschichte, Kapitel 16, die Verse 16 bis 40.
Julia Gierlach

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