Hier wird ordentlich geackert!

Säen, pflegen, ernten: Dazu ruft die „GemüseAckerdemie“ auf und betreut in ganz Deutschland Schuläcker. Weite Welt hat für dich die Gesamtschule in Kaarst besucht und den Schülern bei einer Pflanzaktion über die Schulter geschaut.
Fotos: Michael Englert
Fotos: Michael Englert
Säen, pflegen, ernten: Dazu ruft die „GemüseAckerdemie“ auf und betreut in ganz Deutschland Schuläcker. Weite Welt hat für dich die Gesamtschule in Kaarst besucht und den Schülern bei einer Pflanzaktion über die Schulter geschaut. 

Konzentriert gräbt Max mit der Schaufel ein Loch in den Ackerboden. Und noch eines und noch eines. Immer im Abstand von 30 Zentimetern. „Die Pflanzen benötigen Platz zum Wachsen. Daher muss ich auf den genauen Abstand achten“, erklärt der Zwölfjährige fachmännisch und hebt insgesamt 20 Löcher aus. „Fertig! Jetzt brauchen wir Wasser“, ruft Max. David Buitenhuis nickt zufrieden. 

Der Student der Agrarwissenschaften ist Acker-Pate an der Gesamtschule in Kaarst-Büttgen und hilft Max und den anderen Schülern bei der Pflege des Schulackers. David gehört zum Team der „GemüseAckerdemie“. Dieses Bildungsprogramm hat es sich zur Aufgabe gemacht, an allen interessierten Schulen und Kindergärten Äcker anzulegen. „Die Kinder sollen wieder lernen, wo Gemüse herkommt, wie es wächst und vor allem: wie heimisches Gemüse schmeckt“, erklärt der Acker-Pate und wendet sich wieder den jungen Landwirten zu, die gerade mit der Gießkanne anrücken. 


Wasser marsch!
„Wasser marsch!“, heißt es jetzt. „Vorsichtig, bitte“, mahnt David. Die ausgehobenen Löcher dürfen nicht überlaufen. „Jetzt muss das Wasser versickern. Das ist wichtig, weil die Wurzeln dann gerade nach unten wachsen, um sich von dort das Wasser zu holen“, erklärt Max den nächsten Schritt. Nachdem das Wasser versickert ist, werden die jungen Setzlinge eingepflanzt. Diese Aufgabe übernimmt Hanna. Die Elfjährige hat kleine Kohlrabipflanzen in der Hand. „Die Setzlinge dürfen nicht zu tief eingepflanzt werden, sonst kann sich die Knolle nicht entwickeln. Die Knolle der Kohlrabi wächst ja über der Erde“, weiß Hanna und achtet sehr gewissenhaft auf die richtige Pflanzhöhe. 


Solche Pflanzaktionen finden drei bis vier Mal pro Ackersaison statt. Die Experten von der GemüseAckerdemie kommen mit dem nötigen Saatgut in die Schule und geben ihr Wissen an die Schüler und betreuenden Lehrer weiter. Insgesamt nehmen 30 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 8 an der Gemüse-AG teil. Der Schulacker an der Gesamtschule mit etwa 80 Quadratmetern zählt zu den kleineren Äckern, die von der GemüseAckerdemie betreut werden. 

Schon reif?
Es werden zwölf verschiedene Sorten angebaut, alles Bio-Gemüse: Mangold, Möhren, Endiviensalat, Frühkartoffeln, Tomaten, Rote Bete, Fenchel, Kohlrabi, Kopfsalat, Gurken, Zwiebeln und Mais. „Wir achten auf eine gute Fruchtfolge. Zum Beispiel vertragen sich Zwiebeln und Möhren gut miteinander, weil die ‚Zwiebel-Fliege’ die ‚Möhren-Fliege’ verjagt und andersherum. Daher pflanzen wir sie direkt nebeneinander“, erklärt David Buitenhuis. Außerdem darf ein Gemüse nicht jedes Jahr den gleichen Platz auf dem Acker haben, darauf achtet der Acker-Pate. 

„Hier sind ja schon Gurken dran!“, ruft Tobias begeistert und zieht die Aufmerksamkeit auf sich. „Können wir die schon ernten?“, fragt er. Nein, die Gurken müssen noch ein bisschen wachsen. Mit großem Eifer untersuchen die Schüler die Reife der anderen Pflanzen. Hanna prüft, ob der Fenchel schon reif ist: Ja, die weiße Knolle ist etwa faustgroß und kann behutsam aus der Erde gerüttelt werden. „Darf ich den Fenchel mitnehmen?“, fragt Hanna. Natürlich darf sie. Fröhlich schwenkt Hanna ihren grünen Erntebeutel. Die Blätter des frisch geernteten Fenchels wippen im Takt ihres Laufschritts mit. „Damit kann Mama morgen wieder den leckeren Fenchel-Auflauf machen“, sagt die Schülerin. 


Ach das gehört zum Konzept der GemüseAckerdemie: Die Schüler dürfen das Gemüse mit nach Hause nehmen und bekommen die passenden Rezepte direkt mitgeliefert. Was übrig bleibt, verkaufen die Schüler an die Lehrer und bessern so die AG-Kasse auf. „Unsere Kollegen fragen schon immer, wann denn wieder was reif ist und tauschen Rezepte aus“, erzählt Nadine Graber. Gemeinsam mit Simon Weich betreut sie die AG. Seitdem es den Acker gibt, verlegen die beiden Bio-Lehrer manchmal sogar ihren Unterricht an den Acker. „Es ist doch für alle viel besser, am praktischen Objekt den Aufbau einer Pflanze zu lernen als immer nur aus Büchern“, sagt Simon Weich. 

Die Schüler freut’s. Und was haben die AG-Kids gelernt? „Bevor ich hier mitgemacht habe, wusste ich nicht, was Mangold ist. Jetzt weiß ich, dass er wie Spinat schmeckt“, erklärt Max. Hanna ergänzt: „Ich habe gelernt, dass Gartenarbeit echt Spaß macht. Und dass Salat wirklich nach was schmecken kann.“

Stefanie Mager
 

Schon gewusst?

Das meiste heimische Obst und Gemüse gibt es nur für kurze Zeit. Erdbeeren zum Beispiel von Mai bis Juli, Spargel sogar nur von April bis Juni. Trotzdem verkaufen viele Supermärkte das ganze Jahr über die meisten Obst- und Gemüsesorten. Das ist nicht sehr umweltfreundlich. Zum einen müssen die Früchte und das Gemüse aus anderen Ländern über weite Strecken herantransportiert werden. Das verbraucht eine Menge Energie. Zum anderen werden sie oft aufwendig angebaut. Zum Beispiel Erdbeeren aus Spanien. Erdbeeren brauchen viel Wasser. In Spanien ist Wasser im Sommer aber knapp. Deshalb ist es besser, mehr saisonale und regionale Obst- und Gemüsesorten zu kaufen.
 


Prominente Unterstützung

Seit diesem Sommer hat die GemüseAckerdemie einen prominenten Botschafter: Christoph Biemann von „Die Sendung mit der Maus“ unterstützt die Leiter der Ackerdemie dabei, das Programm in der Schweiz, Österreich und Deutschland bekannter zu machen. Auch das Maskottchen hat ein berühmtes Vorbild. Die Möhre heißt „Orangela Mörkel“, angelehnt an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin hat einen der ersten Preise überreicht, den die GemüseAckerdemie gewonnen hat. Daher trägt die Möhre diesen Namen. 

Mehr zur GemüseAckerdemie auf www.gemüseackerdemie.de
Fotos: Tom Busch

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