Auf dem Weg zum Wintersport-Ass

Vormittags Schule, nach­mittags Training: An den CJD Christophorusschulen Berchtesgaden büffeln die Wintersportstars von morgen. Viele von ihnen wohnen hier im Internat, weit weg von zu Hause. So wie Moritz.
Fotos: Lennart Preis
Fotos: Lennart Preis

Es gibt Momente, in denen mögen die Achtklässler ihren Englischlehrer lieber als jetzt. In großen Buchstaben schreibt Stefan Kantsperger den Stoff für die nächste Schulaufgabe – so heißen in Bayern Klassenarbeiten – an die Tafel. Vokabeln, Grammatik, Hörverstehen. Lange Gesichter bei Moritz Breu und seinen Mitschülern: Schon wieder für eine Klassenarbeit lernen! Doch nur eine Stunde später ist das für Moritz alles weit weg: So sehr seine Vormittage denen von Millionen anderer Schüler ähneln, so anders sind seine Nachmittage. Da ist der 13-Jährige vom Unterricht befreit und kann sich ganz auf das konzentrieren, was ihm besonders liegt: Snowboard-Training.

Moritz ist eine der großen deutschen Nachwuchshoffnungen im Freestyle-Snowboard und gehört der Junioren-Nationalmannschaft an. Seit September 2016 besucht er das Gymnasium der CJD Christophorusschulen Berchtesgaden – eine von 43 „Eliteschulen des deutschen Sports“. Nach dem Unterricht geht Moritz zum Mittagessen in die Schulmensa. Der Weg führt entlang an Vitrinen mit Pokalen und Urkunden ehemaliger Schüler wie Skisprung-Vizeweltmeister Andreas Wellinger und Ski-Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg. Kurz darauf zieht er sich in seinem Internatszimmer für das Training um: Heute geht‘s in die Sporthalle.
 
Doppelter Rückwärtssalto
Auf drei großen Trampolinen trainieren sieben junge Snowboarder ihre Sprungkraft und üben spektakuläre Tricks. Nur was hier klappt, wird später auch im Schnee ausprobiert. Ein Trampolinboard aus festem Schaumstoff ersetzt in der Halle das Snowboard. Moritz übt den „Cab double underflip“ – einen doppelten Rückwärtssalto mit Drehung. Trainer Benedikt Baur gibt Anweisungen und Tipps. Hin und wieder filmt er Sprünge, um sie dann mit den Jungen durchzugehen.

Das Training in der Halle wechselt mit Übungseinheiten im Schnee. Dafür fährt Baur mit seinem Team in umliegende Snowparks. Auch auf dem Internatsgelände kann Moritz auf einem Rohr Tricks trainieren. Der 13-Jährige aus dem schwäbischen Nördlingen ist der Jüngste im Junioren-Nationalteam. Mit Wintersport fing er schon als kleiner Junge an, denn seine Oma wohnt in den Bergen in Garmisch-Partenkirchen. Snowboard fährt er, seit er sieben ist. Damals bekam Moritz sein erstes Brett zu Weihnachten. Er war sofort Feuer und Flamme: „Es hat gleich gut geklappt“, schildert er. „Ich habe es schon nach einem Tag gelernt.“

Mit elf wurde Moritz in der Altersgruppe U12 in zwei Disziplinen (Halfpipe und Slopestyle) Deutscher Meister. Im vergangenen Jahr bekam er dann das Angebot, aus dem Snowboardteam Bayern in den Nationalkader aufzurücken und ins Sportinternat nach Berchtesgaden zu gehen – 300 Kilometer vom heimischen Nördlingen entfernt. „Meine Eltern wollten das anfangs nicht.“ Doch Moritz überredete Mama und Papa. Denn er hat ein großes Ziel: „Mit Snowboarden mal mein Geld zu verdienen.“
 
Am Anfang Heimweh
„In den ersten Wochen hatte ich schon Heimweh“, sagt Moritz. Sein kleiner Bruder, seine Eltern und Freunde fehlten ihm. „Jetzt geht’s. Es ist nicht mehr so schlimm.“ Etwa alle drei Wochen fährt er übers Wochenende nach Hause. Dazwischen telefoniert er viel mit seiner Familie. Laut Schulleiter Kantsperger ist Heimweh für die meisten Internatsschüler kein großes Thema. „Zwar hatten wir auch schon Fälle, wo die Kinder wieder abgereist sind. In der Regel klappt das nach ein paar Wochen Eingewöhnung aber sehr gut.“

Die Tage im Internat sind mit Schule und Training sowieso so vollgepackt, dass Moritz wenig Zeit zum Grübeln bleibt. Sein Zimmer teilt er sich mit einem 14-jährigen Kameraden aus dem Snowboardteam. „Ich verstehe mich voll gut mit ihm.“ Nur ein Teil der Schüler wohnt im Internat. Viele kommen mit Schulbussen aus der Umgebung. Und nicht alle Mitschüler sind talentierte Skifahrer, Snowboarder oder Biathleten: Zu den Schwerpunkten des CJD-Schulzentrums zählt auch die Betreuung chronisch kranker Kinder mit Asthma oder Diabetes und von Schülern mit Lese-Rechtschreib-Schwäche.

Wenn Moritz zwischen Schule und Training noch Freizeit bleibt, nutzt er sie sportlich: „Ich fahre viel Skateboard, spiele Fußball oder Basketball.“ Abends nach dem Essen muss er sich aber an seinen Schreibtisch setzen: Die Stunde von 18.45 bis 19.45 Uhr ist für Hausaufgaben und Lernen reserviert. Konnte Moritz wegen des Trainings oder eines Wettkampfes nicht zum Unterricht, informieren ihn die Lehrer per E-Mail über den Stoff. Wenn es nötig ist, bekommen die jungen Sportler auch Förder­unterricht.

Denn neben der sportlichen Leistung müssen auch die Noten passen. „Wenn die Versetzung gefährdet ist, nehmen wir Schüler aus dem Sport raus – zeitweise oder auch ganz“, sagt Christian Scholz, Leiter des Sportbereichs. Zwar werden einige der Jungen und Mädchen irgendwann vielleicht Weltmeister oder Olympiasieger, aber ein Großteil von ihnen wird später ein ganz normales Berufsleben führen. „Es ist wichtig, sie zu Menschen auszubilden, die dem Leben gewachsen und gestärkt sind“, ist Christian Scholz überzeugt.

 Petr Jerabek

Schulzentrum Berchtesgaden

Zu den CJD Christophorusschulen Berchtesgaden gehören eine Grund-, Mittel- und Realschule, ein Gymnasium, eine Fachober- und eine Berufsfachschule für Kinderpflege sowie ein Internat. Rund 1.000 Schüler aus ganz Deutschland besuchen die christlichen Privatschulen, die unweit der Grenze zu Österreich idyllisch in den Alpen liegen. Träger des Schulzentrums ist das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands.
Mehr Infos: www.cjd-christophorusschulen-berchtesgaden.de
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