Mit Karacho übers Wasser

Spritzig dahingleiten, Sprünge hoch in die Luft, schnell um die eigene Achse gedreht. Das und viel mehr gehört zum Wakeboarden. Und macht jede Menge Spaß!
 
Fotos: Andreas Weinand
Fotos: Andreas Weinand

Eva geht in die Hocke. Ihre Finger umklammern den Griff, der über eine Zugleine mit der Seilbahn auf dem See verbunden ist. Nun kommt es auf Körperspannung und den richtigen Schwerpunkt an. Denn in wenigen Augenblicken wird die 14-Jährige aufs Wasser gezogen. Dann ist es so weit. Ein kurzer Ruck: Eva gleitet davon. Kurz darauf wird sie auf einer Rampe im See ihren ersten Trick zeigen: einen „Tailgrab“. Bei dieser Übung zieht sie ihr Board möglichst nah und möglichst lange an den Körper heran. Auch das klappt.


Nervenkitzel

Dass Eva Start und Trick verpatzen könnte, war auch nicht zu erwarten. Seit fast zwei Jahren ist sie begeisterte Wakeboarderin und wie ihre Freunde regelmäßig auf der Wasserskianlage in Langenfeld/NRW am Start. Statt Skiern hat sie jedoch ein Brett unter den Füßen. Ihr Sport ist so etwas wie Skateboarden auf dem Wasser. Und sie kann schon viel schwierigere Dinge als den „Tailgrab“. Zum Beispiel einen sogenannten „Toeside Frontside 360°“. Ihre Freundin Amy (16) vollführt diesen Trick gerade und dreht sich dabei einmal um die eigene Achse. Elegant sieht das aus. „Es ist cool, dass man beim Wakeboarden immer neue Sachen ausprobieren kann. Das wird nie langweilig“, findet der 11-jährige Jannes. Das können seine gleichaltrigen Kumpel Mats und Luuk bestätigen. „Man hat ein bisschen mehr Nervenkitzel als beim Fußball oder Badminton“, meint Luuk. Ganz wichtig für die Truppe ist jedoch ihr Gemeinschaftsgefühl – und die Freiheit des Einzelnen. Einen Trainer gibt es nicht, auch keine festen Zeiten. Jeder entscheidet selbst, auf was er gerade Lust hat.
Doch aller Lockerheit zum Trotz: Die Jugendlichen nehmen ihren Sport durchaus ernst. „Wir trainieren uns gegenseitig, schauen uns immer wieder Dinge von anderen ab“, erklärt Eva. Sie alle haben auch bereits an Turnieren teilgenommen. Ihr Bruder Jonas, mit 17 der Älteste in der Runde, erinnert sich besonders gern an seine Fahrten auf dem Liquid Leisure bei London. „Mit Leuten von anderen Cables zusammenzukommen, das ist reizvoll“, schwärmt er. 
„Cables“ – schon wieder ein Fachbegriff. Davon wimmelt es nur so bei den Wakeboardern. Dieser hier meint die Wasserskilifte. Der in Langenfeld sei der weltweit einzige mit sechs Bahnen, erklärt Mitbetreiber Benjamin Süß. Seit 1976 wird hier bereits Wasserski gefahren. Aber seit Mitte der 90er-Jahre hat Wakeboarden nach und nach die führende Rolle übernommen. „Anfängern bringen wir erst einmal Wasserski bei. Das geht einfacher“, sagt Süß. „Dadurch spart man sich später eine Menge Schwimmen und Laufen.“ Er lacht.


Wichtig: Körperspannung

Was er meint, ist am Starthäuschen gut zu beobachten. Ganz viele Leute jeden Alters stehen dort heute mit Leihausrüstung. Viele sind zum ersten Mal hier. Auch das Mädchen mit den blonden Haaren, die die Sache mit der nötigen Körperspannung offenbar nicht hinkriegt – und nach dem Start prompt ins Wasser plumpst. Jonas hat es kommen sehen. „Sie hat sich zu sehr nach vorne ziehen lassen“, urteilt er fachmännisch.
Von den sechs „Profi-Wakeboardern“ hingegen landet heute keiner unfreiwillig im See. Auch Mats nicht bei seinem „Kicker Backside 360°“. Ebenfalls ein Trick mit vollständiger Drehung. „Bei dem bin ich noch nie gestürzt“, verrät er. Vielleicht liegt sein Talent ja in der Familie: Die Mutter fährt Trickski, der Vater ist selbst Wakeboarder. Mats hat seine ersten Erfahrungen aber nicht an einer Seilbahn gemacht. „Ich habe es in Griechenland hinterm Boot gelernt“, erzählt er. 
Amy kann sich an ihre Anfänge, gleich am Lift, ebenfalls noch gut erinnern. Den Start habe sie damals gut hinbekommen. „Aber danach kam die erste Kurve, das war schmerzvoll“, gesteht sie. Jannes grinst. „Solange es nicht blutet, ist es nicht schlimm“, meint er. Doch selbst blaue Flecken können Wakeboarder nicht von ihrer Leidenschaft abbringen. „Man ist wie eine Familie“, erklärt Eva. Altersunterschiede spielten wie bei Geschwistern keine Rolle. Und selbst in Wettbewerben sei es keine richtige Gegnerschaft. „Es geht vor allem um Spaß.“


Hart im Nehmen

Auch deshalb haben alle sechs längst Jahreskarten und kommen im Sommer fast täglich zur Anlage. Sogar im Winter kann man sie dort an den Wochenenden treffen. Dann allerdings nicht in Badeshorts, sondern im wasserdichten Neoprenanzug.  Hände und Füße werden trotzdem eiskalt. Wakeboarder sind offenbar hart im Nehmen. Weitere Voraussetzungen gibt es für diesen Sport im Prinzip nicht. „Man sollte besser keine Angst vor Wasser haben“, scherzt Luuk. Der 16-jährigen Amy fällt dann doch noch etwas ein. „Wer sich ständig Gedanken um seine Schminke oder seine Haare macht“, meint sie lachend, „der ist hier definitiv falsch.“ 

Achim Graf

Wasserskianlage Langenfeld 

Eine Jahreskarte kostet für Jugendliche bis 12 Jahre 380 Euro, bis 16 Jahre 580 Euro. Erwachsene zahlen 820 Euro.
Jugendliche bezahlen für eine Anfängerstunde Wasserski 24 Euro, für Wakeboarden 28 Euro. Wer sich für einen Tag ein Wakeoard ausleihen möchte, zahlt 16 Euro.
Mehr Infos über Öffnungszeiten und Kursangebote:
www.wasserski-langenfeld.de
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