Freie Flugbahn - dank Frettchen, Hund & Co

Die Bird Control (Vogel-Überwachung) vom Flughafen Köln-Bonn verscheucht mit ihren tierischen Helfern die Vögel. Sie sorgen so dafür, dass der Flugverkehr nicht gefährdet wird.
Fotos: Achim Hehn
Fotos: Achim Hehn

Als Ulf Muuß die Heckklappe seines grünen „Bird Control“-Wagens öffnet, steht Sandy schon aufmerksam bereit. Ihr Körper zittert vor Anspannung und Freude – endlich raus, endlich laufen. Die sechsjährige Jagdhündin ist quasi Angestellte des Flughafens. Zusammen mit ihrem Chef Ulf Muuß, dem Leiter der Bird Control, der Vogel-Flugsicherung, macht sie an diesem Morgen ihre tägliche Runde über das Gelände des Flughafens Köln-Bonn. Der Flughafen liegt nicht nur nahe der Großstadt Köln, sondern auch am Rand der Wahner Heide, einem Natur- und Vogelschutzgebiet. Auch der überwiegende Teil des Flughafengeländes besteht nicht aus Gebäuden und Rollfeldern, sondern aus Wiesen, Wäldern, einem Teich und sogar einem Moor. Mehr als 600 Pflanzenarten wachsen auf dem Gelände. Und sie bieten Kaninchen, Füchsen, Iltissen, Insekten und vielen Vögeln ideale Voraussetzungen für ein geschütztes, ruhiges Leben. 


Tägliche Kontrolle

Mit Diensthund Sandy und seinem eigenen Hund Baldur fährt Ulf Muuß auf die Rollfeldringstraße, die den Flughafen komplett umrundet. Das Fernglas liegt immer griffbereit im Wagen. Er bremst kurz, schaut raus – ganz klein, für ungeschulte Augen kaum wahrnehmbar, sitzt ein Mäusebussard in der Nähe einer Rollbahn. Muuß holt seine Liste heraus, auf der er jeden Tag einträgt, wo er welche Vögel gesehen hat. Und wie viele. Dazu hat er eine Karte, auf der das riesige Flughafengelände in 27 Felder aufgeteilt ist. So kann er über lange Zeit genau nachvollziehen, wo sich welche Tiere aufhalten und ob sie dem Flugverkehr gefährlich werden können. Denn vor allem beim Start- und Landeanflug kann ein Vogelschwarm für ein Flugzeug große Schwierigkeiten bedeuten. „Schon ein Vogel von der Größe einer Taube kann die Schaufel einer Flugzeugturbine kaputtschlagen“, erklärt Muuß. Damit das nicht passiert, kommt jetzt Sandy aus dem Wagen. Kurz schaut sie ihren Chef an. „Lauf!“, befiehlt er, und blitzschnell ist die Hündin in der Wiese, um Vögel aufzuschrecken. Ein kurzer Pfiff mit der Hundepfeife, und mitten im Lauf macht Sandy eine Vollbremsung. Sie hat verschiedenste Hundeprüfungen erfolgreich abgeschlossen. Die Hündin  würde keinen Vogel oder ein Kaninchen weiter jagen, wenn der Pfiff ihres Chefs erklingt.
Hier geht‘s ums Aufscheuchen. Zugvögel wie Kraniche oder Kanadagänse, die nur kurz bleiben wollen, sollen erschreckt werden. Sie sollen sich einen anderen, ungefährlichen Rastplatz suchen. „In der Schonzeit gebe ich auch schon mal Schreckschüsse ab, um die Vögel zu erschrecken“, sagt Muuß. Er erinnert sich an einen Morgen im Winter, als er plötzlich 36 Kraniche in einem Feld direkt an der Landebahn sah. Sofort nahm er Kontakt zum Tower auf. Alle An- und Abflüge mussten gestoppt werden. Dann gab er Sandy und Baldur das Kommando, und die beiden preschten los. Bellend schreckten sie den Schwarm auf, der daraufhin wegflog. Und der Flugverkehr konnte weitergehen.


Vögel und Kaninchen

Am Flughafen sind auch viele Vögel wie Schwarzkehlchen, Feldlerchen, Mäusebussarde und Stare zu Hause. Damit sie nicht auf die Rollfelder fliegen, wird das Gras der Wiesen nicht kürzer als etwa 20 bis 30 Zentimeter gemäht. „Da fliegen sie aus Angst nicht hinein, weil sie ihre Feinde wie den Fuchs nicht sehen können“, erklärt der Bird Controller. „Außerdem haben die Greifvögel es dann schwer, die Mäuse zu erspähen.“ Ulf Muuß versucht, es den Vögeln an anderen Stellen gemütlich zu machen. So hat er auf dem weiträumigen Gelände extra Asthaufen angelegt, die der Neuntöter besonders mag. So kann Ulf Muuß ein wenig beeinflussen, wo sich die Vögel aufhalten.
Eine andere Gefahr rund ums Rollfeld: Kaninchen. Sie werden von Greifvögeln gerne gefressen und könnten diese aufs Gelände locken. Außerdem könnten die Kaninchen unter Pisten und Rollbahnen ihre Wege und Bauten graben und diese damit unsicher machen. 22 Lebendfallen hat Ulf Muuß im Einsatz, mit denen die Tiere an festen Punkten regelmäßig lebend gefangen werden.  Sie werden dann nach Sachsen-Anhalt gebracht. Dort darf man Wildkaninchen aussetzen, und sie können sich neu ansiedeln. Auch für diese Arbeit hat Muuß vierbeinige Helfer. Sie leben im Stall samt Außengelände, gleich neben seinem Büro: Frettchen.


Geschickte Jäger

Zweimal klopft Ulf Muuß kurz auf das gelbe Rohr, schon hört man ein leises Trippeln. Es ist ihr vereinbartes Zeichen. Eine kleine Nase schaut aus dem Rohr hervor. Schwups, kommt das rund 40 Zentimeter lange Männchen ins Freigehege. Frettchen, die mit dem Iltis verwandt sind, werden schon seit frühester Zeit für die Jagd eingesetzt. Die schlanken Tiere passen nämlich in einen Kaninchenbau. Genau da hinein sollen sie auch, wenn sie mit dem Vogelschutzbeauftragten unterwegs sind. Während die Frettchen auf der einen Seite hineinlaufen, steht Muuß an den anderen Ausgängen. Die sind mit mobilen Drahtreusen versperrt, in die das Kaninchen hineinläuft. Hinter ihm schließt sich die Klappe, sodass das Frettchen nicht mit ihm in die Falle rennt. Und schon können auch diese Kaninchen umgesiedelt werden. 
Wenn die Frettchen und Sandy Pause haben, kommen die nächsten tierischen Helfer zum Zug. Seit Februar dieses Jahres besuchen mehrfach pro Woche die Falkner Marc Frangenberg und Marco Wahl das Gelände. Sie lassen ihre Wüstenbussarde und einen Sakerfalken  Runden über das Flughafengelände drehen. Allein die Anwesenheit der gewaltigen Vögel schreckt viele andere Tiere ab, sich niederzulassen.

Bianca Pohlmann

Flughafen Köln-Bonn 

Der Flughafen Köln-Bonn ist rund 960 Hektar groß, davon sind 650 Hektar Grünfläche. Das Gelände ist demnach ungefähr so groß wie 1.344 Fußballfelder. 30 Fluggesellschaften steuern rund 120 Ziele an. Jährlich zählt der Flughafen etwa 10 Millionen Passagiere. Neben all der Technik finden sich auf dem Flughafengelände aber auch rund 600 verschiedene Pflanzenarten, darunter 100 von der so genannten „Roten Liste“ der bedrohten Arten. Auch die Zahl der verschiedenen Vogelarten hier wird auf mehrere Hundert geschätzt.
Fotos: Tanja Brandt

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