Ganz schön stachelig

Igel halten Winterschlaf. Dafür müssen sie gut genährt sein. Kranke und zu kleine Tiere brauchen jetzt Hilfe.



Nicht jeder kleine Igel schafft es bis zum Spätherbst, sich genügend Fettpolster anzufuttern. Er läuft Gefahr, den Winter nicht zu überleben. Zum Glück gibt es Menschen wie Kornelia Dudziak von der Igelschutz-Interessengemeinschaft in Wuppertal. Seit über 30 Jahren kümmert sie sich um junge und kranke Igel. „Die Igel brauchen 600 bis 700 Gramm Gewicht, um gut zu überleben“, erklärt die Expertin. In ihrem Keller hat Familie Dudziak einen speziellen „Igelraum“. Hier stehen 18 selbst gezimmerte Holzboxen mit Maschendrahttüren – extra igelgerecht entwickelt und gebaut. Igel, die noch nicht fit genug für den Winterschlaf oder krank sind, werden in diesem Raum untergebracht und versorgt.

Fotos: Vaclav Mucha SVD
Fotos: Vaclav Mucha SVD
Alles ist blitzeblank. „Natürlich wechseln wir jeden Tag die geschredderte Zeitung. In den Igel-Häuschen dürfen keine Kotreste sein“, sagt Kornelia Dudziak. Sie verwenden Zeitungspapier, da sich im Stroh und Heu zu schnell Pilze und Bakterien bilden könnten. Für die geschwächten Tiere ist das gefährlich. Erwachsene Tiere bewohnen einzeln eine Box. Igelkinder sind schon mal zu zweit untergebracht. So können sie sich gegenseitig wärmen und zum Fressen motivieren. Im Moment sind zwei kleine Igel zusammen: ein Mädchen und ein Junge. „Die Kleine ist unser Problemkind. Sie wächst nicht. Aber sie kämpft, will leben“, berichtet Kornelia. Die kleine Igelin wiegt nur 191 Gramm.

Kornelia holt den kleinen Igeljungen heraus, um ihn zu wiegen. „368 Gramm. Prima, er hat etwas zugenommen!“ Aufgeregt bewegt sich sein Näschen. Kurz zwackt er der Igelfreundin in den Finger. Ein sicheres Zeichen, dass er schnell wieder weg will aus den menschlichen Händen. „Das ist gut so!“, freut sich die Ersatzmama. Die Igel sind Wildtiere. Und das sollen sie auch bleiben. Schließlich werden sie im Frühjahr wieder ausgewildert. „Sie dürfen sich nicht zu sehr an uns gewöhnen und zahm werden, sondern müssen ihre Angst behalten. Das ist fürs Überleben in der freien Natur wichtig“, meint die Igel­expertin.

Igelalarm!
Es klingelt. Igelalarm! Eine Frau bringt einen Igel. „Ich habe ihn bei uns im Garten gefunden. Er scheint krank zu sein“, sagt sie. Die Igelstation ist in der Umgebung bekannt. Kornelia Dudziak geht mit der Frau und dem kleinen Patienten in ihre „Erstaufnahme“. Die umfunktionierte Garage dient als Erste-Hilfe-Krankenstation. Hier werden die ankommenden Igel untersucht und versorgt, ehe sie in den „Igelraum“ kommen. Kornelia schaut sich das Tier genau an. Sie fasst es vorsichtig an den Hinterpfoten und hält es kopfüber. Der Kopf ist auf dem Tisch abgestützt. „Es ist ein Igelmädchen!“ Die kleine Igelin weist keine äußeren Verletzungen auf. „So, jetzt wiegen wir dich erst einmal!“, sagt die Expertin. Das Tier bringt knapp 400 Gramm auf die Waage. „Für den Winterschlaf ist das noch zu wenig!“

Kornelia Dudziak zieht eine Vitaminspritze auf und verabreicht sie der Igelin. Später wird sie eine Kotprobe nehmen und dann den Igel entwurmen. „Die Kotprobe schicken wir zu einem Parasitologen, einem Facharzt. Der untersucht, ob und welche Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Würmer die Probe enthält. Und wir erfahren dann, mit welchen Medikamenten wir den Igel behandeln müssen“, erklärt Kornelia Dudziak. Sie behält die kleine Igelin in der Station. Alle Daten und Ergebnisse werden in einer Kartei-Karte aufgenommen und später immer wieder ergänzt. In manchem Winter hat die Igel­expertin schon rund 450 Igel behandelt. „Die Igel haben die Dinosaurier überlebt. Es liegt an uns, dass diese wunderbaren Tiere auch weiterhin überleben!“, gibt sie zu bedenken.

Gudrun Schriever

Igel-Steckbrief:

Foto: Fotolia/Kwasny
Foto: Fotolia/Kwasny


Größe und Gewicht: 24 bis 30 Zentimeter, 800 bis 1.500 Gramm.
Alter: bis zu sieben Jahren. In freier Wildbahn werden sie oft nur zwei bis vier Jahre alt.
Nahrung: Käfer, Ohrwürmer, Regenwürmer, Schnecken, Raupen, Spinnen, Vogeleier.
Lebensraum: ursprünglich: bewachsene Feldfluren und Wald­ränder. Heute vielfach Parks, busch- und heckenreiche Siedlungen, naturnahe Gärten.
Fortpflanzung: Tragzeit rund 35 Tage. Geburt von vier bis fünf Jungtieren zwischen Juni und September.
Winterschlaf: von Oktober/November bis März/April.
shutterstock/KOO

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