Zwei durch Dick und Dünn

Poldi ist ein Steinkauz, Ingo ein Schäferhund. Die zwei sind unzertrennlich – Freunde eben!
Fotos: Tanja Brandt
Fotos: Tanja Brandt

Wenn Tanja Brandt Foto­aufnahmen mit Poldi (2) macht, ist für Ingo (4) sonnenklar: Er kommt mit! Ein Ausflug nur mit Poldi? Undenkbar! „Einmal wollte ich Poldi mit einer Stoffeule fotografieren. Eine Schulklasse hatte sie mir geschenkt. Also platzierte ich Steinkauz und Stoffeule auf einem Baumstamm. Doch da hatte ich die Rechnung ohne Ingo gemacht. Er kam mit einem Affenzahn herangesaust, warf sich neben den Eulen in Pose und setzte sein schönstes Modellächeln auf“, berichtet Tanja lachend. Sie ist Fotografin und Falknerin und deshalb viel in der Natur unterwegs, um ­tolle Tierfotos zu machen.

Die Freundschaft zwischen Steinkauz und Schäferhund begann mit Poldis Einzug in die Familie. Tanja holte Poldi von einem Züchter. Er war noch ein wirklich winziges Käuzchen. „Ingo hat den kleinen Poldi ganz vorsichtig beschnüffelt und Poldi ihn. Das war unheimlich niedlich. Ich habe Ingo sehr gelobt und mich gefreut!“, erzählt Tanja. Zuvor hatte Ingo mit Greifvögeln, auch Greife genannt, nichts zu tun. Obwohl zu Tanjas Tierfamilie immer schon Greifvögel gehörten. Ingo war ziemlich wild und zeigte an Tierfreundschaften kein Interesse. Mit Poldis Erscheinen änderte sich das. Ingo begleitete Poldi auf den Spaziergängen, die Poldi auf Tanjas Arm oder Schulter sitzend unternahm. Schließlich wollte Ingo überall dort mit hin, wo der Steinkauz war. „Ingo lernte, wie er sich mit Poldi und den Greifen verhalten muss. Wenn er zu wild war, hat ­Poldi ihn gekrallt, und Ingo wurde vorsichtig. Das hat er gut verstanden. Eigentlich hat Poldi einen besseren Hund aus Ingo gemacht“, sagt Tanja. Seitdem hat Ingo auch zu den anderen Greifvögeln, wie zum Beispiel zu Wüstenbussard Phoenix, eine freundschaftliche Beziehung aufgebaut. Phoenix gehört ebenfalls zu Tanjas Vogel­clique.
 

Komischer Kauz

Poldi ist ein richtiger „Kauz“. Er hat so seine Eigenarten. ­Poldi frisst nur Eintagsküken. Alles andere ekelt ihn. Speziell Mäuse – davor gruselt er sich sogar. Nur aus Liebe hat er sich während der Brutzeit dazu durchgerungen, seinem Steinkauz-Weibchen Finchen Mäuse zu bringen. Aber nur zu dieser Zeit. Was Liebe alles schafft! Irgendwelche anderen Leckerchen mag Poldi nicht. Ingo ist um seinen Freund manchmal besorgt. Er hat wohl den Eindruck, dass Poldi zu wenig frisst. So stibitzt er schon mal ein Würstchen vom Grill und bringt es seinem Steinkauz-Freund. Poldi schaut dann völlig irritiert – er frisst doch nur Eintagsküken. Weiß sein Freund das nicht?!
Poldi verabscheut Wasser, Kälte und Schnee. Doch auch bei Schnee und kalten Temperaturen müssen die Tiere mal raus, brauchen sie Bewegung. Ingo weiß in solchen Momenten Abhilfe: Er bietet sich an, seinen Freund zu tragen. So müssen dessen zarte Füßchen das Wasser oder den Schnee nicht berühren.
Aber auch Poldi setzt sich für seinen Freund tatkräftig ein. „Auf einer Wiese steuerte eine Hummel direkt auf Ingo zu. In Poldis Augen war sie ein Angreifer. Mutig ging er schimpfend und schnabelklappernd auf die Hummel zu und blickte sie bitterböse an. Das half. Er verjagte erfolgreich den Feind“, berichtet Tanja.
Ingo liebt es zu rennen, zu toben, mit seinem Ball zu spielen. Er ist gerne und überall mit dabei. Poldi zieht es vor zu schlafen und zu faulenzen. „Eulen sind grundsätzlich ziemlich faul, und Poldi ist ihr Anführer! Er schläft lieber, als sich anzustrengen“, sagt Tanja.

 

Totale Gegensätze 

Der kleine Steinkauz ist nur stundenweise mit im Haus. Ansonsten lebt er mit seinem Finchen draußen in der Vogelvoliere. „Die Greife leben alle draußen. Das müssen sie auch. Eulen und Greifvögel kann man nicht in der Wohnung halten“, erklärt Tanja. Von Jugend auf hat sie eine intensive Beziehung zu Tieren. „Mich haben schon immer Hunde, Greifvögel, Wölfe, Geparden und Hyänen fasziniert. Einen Hund hatte ich immer. Mit Geparden, Wölfen und Hyänen ist es natürlich schwierig“, erzählt Tanja. Vor einigen Jahren konnte sie den Falknerschein machen und Greifvögel halten. Wichtig: Greifvögel, die bei Menschen leben, stammen alle von Züchtern. Es ist streng verboten, wildlebende Greife einzufangen.


Gerne auf Tour

Ingo genießt es, mit Frauchen im Haus zu leben. Sein Lieblingsschlafplatz: das Bett! „Aber richtig schmusen mag er nur mit Poldi“, sagt Tanja. Eine Leidenschaft haben Ingo und Poldi gemeinsam: Sie fahren gerne Auto. „Ingo sitzt im Kofferraum, und Poldi nimmt auf dem Lenkrad Platz.“ Die Tiere mögen es, mit Frauchen auf Tour zu sein. Sie zeigen vor deren Kamera keinerlei Scheu. Ingo macht sofort jeden Unfug mit. „Poldi lässt sich gerne dreimal bitten, besonders wenn ich auf ein freundliches Gesicht warte“, sagt Tanja. Die Greifvögel kennen ihre Namen und kommen, wenn Tanja sie ruft – falls sie wollen. „Als Poldi jung war, kam er sofort – jetzt öfters!“, erklärt die Falknerin.
Ingo und Poldi scheinen seelenverwandt zu sein. Sie verstehen sich ohne Worte, „reden“ über Blicke und ihren Körper miteinander. Ihre Freundschaft ist wirklich einzigartig.

Gudrun Schriever

WW-Buchtipp


Mehr über Ingo und Poldi und die restliche Vogelclique erfährst du unter: www.ingoundelse.de
und in dem bezaubernden Buch:
Tanja Brandt. Wo die Liebe hinfliegt. Ingo und Poldi – die Geschichte einer Freundschaft. LÜBBE Verlag. 
15 Euro (D). 15,50 Euro (A).



 
Foto: Fotolia/Kwasny

Ganz schön stachelig

Igel halten Winterschlaf. Dafür müssen sie gut genährt sein. Kranke und zu kleine Tiere brauchen jetzt Hilfe.
shutterstock/KOO

SOS für den Feldhamster

Sein Lebensraum wird immer kleiner, seine Hamstertaschen bleiben leer. Der Feldhamster kämpft ums Überleben. Schutz­projekte sollen dem bedrängten Nager helfen.
Fotos: Achim Hehn

Freie Flugbahn - dank Frettchen, Hund & Co

Die Bird Control (Vogel-Überwachung) vom Flughafen Köln-Bonn verscheucht mit ihren tierischen Helfern die Vögel. Sie sorgen so dafür, dass der Flugverkehr nicht gefährdet wird.

Gerettet! Herkules darf leben

Lucie (11) und Linda (13) sind aktive Tierschützerinnen. Pferd Herkules (16) haben die Schwestern vorm Schlachter gerettet. Sein neues Zuhause: Pferdeschutzhof Eulenmühle