Kreuzweg im Busch

Wenn Pater Wojtek Minta in der Fastenzeit in die Dörfer seiner Pfarrei im Norden Togos fährt, nimmt er oft Jugendliche mit. Sie führen die Leidens­geschichte Jesu auf.
Fotos: Achim Hehn
Fotos: Achim Hehn

Pater Wojtek Minta ist mit seinem Geländewagen auf dem Weg nach Kissabuin, in ein abgelegenes Dorf im Norden Togos. Heute umfährt er die Schlaglöcher auf der sandigen Straße besonders vorsichtig. Denn auf der Ladefläche seines Autos sitzen zwölf Jugendliche, die ihn begleiten. Sie alle gehören zur JEC, zur „Jeunesse Étudiante Chrétienne“, einer christlichen Jugendbewegung.

Zum vierten Mal in dieser Fastenzeit wollen sie heute die Passion, die Leidensgeschichte Jesu, aufführen. „Mir macht das großen Spaß“, sagt die 16-jährige Charmelle, die einen Platz im Innenraum des Geländewagens ergattert hat und später die Rolle der Maria Magdalena übernehmen wird. „Das ist für mich die perfekte Einstimmung auf Ostern.“

Auch Pater Minta findet, dass die Aufführungen ein guter Weg sind, den Menschen die Leidensgeschichte Jesu zu vermitteln. Seit 23 Jahren lebt und arbeitet der Steyler Missionar in Togo. Gebürtig stammt er aus einer kleinen Stadt zwischen Posen und Breslau in Polen. Für die Mission begeistert hat ihn einst seine Tante. „Die hat nämlich über 40 Jahre als Missionarin in Lesotho im südlichen Afrika gearbeitet“, erzählt Minta. „Ich war noch ein kleines Kind, als sie mir von ihrer Arbeit erzählt hat. Aber ich war verzaubert!“

So stand auch für Pater Minta bald fest, dass er nach Afrika wollte. „Als ich ankam, hat mich die Freundlichkeit und Offenheit der Menschen sofort angesprochen“, erinnert er sich. „Ich fühlte mich gleich zu Hause.“ In Guérin-Kouka, seiner heutigen Pfarrei, wirkt er seit 2014.

Kinder strömen aus den strohbedeckten Lehmhütten, als sich das Missionsfahrzeug der kleinen Siedlung nähert. Sie umringen den Steyler Missionar, kaum dass er aus dem Wagen gestiegen ist. Hände werden geschüttelt, der erste Weg führt Pater Minta zu den Dorfältesten, die unter einem Mangobaum vor der prallen Sonne Schutz gesucht haben. 
 

„Beweg dich!“

Während sich viele Dorfbewohner auf der Freifläche vor dem Schulgebäude versammeln, wechseln der Steyler Missionar und seine Begleiter auf der Rückseite des Gebäudes ihr Outfit: Minta streift ein Priestergewand über, die jungen Frauen und Männer richten ihre Kostüme. Minuten später führen drei Jungs, die sich in finster dreinblickende Soldaten verwandelt haben, Jesus-Darsteller Justin auf den Vorplatz. Dort, auf einer Holzbank, wartet schon Pontius Pilatus. Kinder, die eben noch ausgelassen durchs Dorf getobt sind, verfolgen mit offenem Mund das Geschehen. Am Ende hebt Jesus-Darsteller Justin ein großes Holzkreuz auf seine Schultern. „Beweg dich!“, rufen die drei Soldaten. 

Die einzelnen Stationen des Kreuzwegs führen quer durch die Siedlung. Wo Jesus-Darsteller Justin und sein Gefolge auch auftauchen: Frauen unterbrechen ihre Arbeit an den Feuerstellen, Kinder lugen neugierig aus Hütteneingängen. Sogar die herumstreunenden Hühner scheinen innezuhalten. Der Alltag steht plötzlich still. Und immer mehr Menschen schließen sich der singenden und betenden Menge an, die Jesus auf seinem letzten Weg begleitet.   

„Mich beeindruckt immer wieder, mit welcher Ernsthaftigkeit die Jugendlichen die Passion nachspielen“, sagt Pater Minta, während er dem leisen Zug der Dorfbewohner folgt. „Das kommt aus dem Herzen – und wirkt unheimlich realistisch. Sie werden zu Botschaftern des Evangeliums und bringen es direkt vor die Haustür ihrer Landsleute. Wenn ich die Passion nur einfach vorlesen würde: Sie würde die Menschen niemals so unmittelbar ansprechen wie das hier.“
 

Berufen, IHM zu folgen

Als Jesus-Darsteller Justin am Kreuz aufgerichtet wird, stehen manchem Dorfbewohner die Tränen in den Augen. Die untergehende Sonne Afrikas taucht das Geschehen in ein leuchtendes, unwirkliches Licht. „Wir alle sind aufgerufen, ihm zu folgen“, sagt Pater Minta am Ende zu den Dorfbewohnern. „Ihm, der für uns gelitten und den Tod am Kreuz auf sich genommen hat.“

Einige Minuten ist alles ganz still, ehe der Alltag das Dorf wieder mit Leben erfüllt. Die Jugendlichen ziehen ihre normale Kleidung an – und es dauert nicht lange, da stimmt einer von ihnen ein mitreißendes Lied an, zu dem ausgelassen gesungen und getanzt wird. Die Soldaten, Pontius Pilatus und all die anderen haben sich wieder in junge Togoer verwandelt. 

„Es war unheimlich schön, hautnah mitzuerleben, wie die Menschen auf die christliche Botschaft reagieren“, sagt Pater Minta, als er am Steuer seines Wagens sitzt. In den vielen abgelegenen Dörfern, die zu seiner Pfarrei gehören, würden oft Sprachen gesprochen, die er nicht kenne. „Da könnte ich mir keine besseren Übersetzer vorstellen als diese Jugendlichen. Mit ihrer Offenheit und ihrem Spiel gewinnen sie die Herzen der Menschen.“

Markus Frädrich

Togo 


Togo ist eine kleine Republik im Westen Afrikas. Die Nachbarländer sind Ghana, Burkina Faso und Benin. Insgesamt gibt es in Togo rund 40 Stämme mit entsprechend unterschiedlichen Sprachen und Dialekten. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft. Wichtige Grundnahrungsmittel sind Mais, Hirse, Maniok und Jamswurzeln. Die Hauptstadt ist Lomé, Amtssprache ist Französisch.
Fotos: Jörg Böthling

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