Der Held mit dem Bart

Jedes Kind in Tirol kennt den Mann mit dem Bart: den Helden und Freiheitskämpfer Andreas Hofer. Für seine Heimat und seinen Glauben legte der Mann aus den Bergen sich mit Königen und Kaisern an.
Illu: Andreas Ganther
Illu: Andreas Ganther

Eiskalt weht der Wind von den Berggipfeln hinunter auf den steinigen Pfad. Unbeirrt stapft Andreas Hofer vor seinem Packpferd durch den Schnee. In Marling hat er Branntwein geholt für seine Gastwirtschaft, den Sandhof. Nun ist er auf dem Heimweg. In Sankt Martin will er bei seinem Schwager Johann Rast machen. Was ist das für ein Tumult vor der Kirche? Aufgeregte Stimmen schallen ihm entgegen: „Hofer! Grüß dich!“ Andreas schiebt sich durch die Dörfler nach vorne zum Kirchenportal. Dort ist ein amtlich aussehender Zettel aufgehängt. Ungläubig starrt Andreas auf das Schreiben. Die Regierung in Bayern verfügt: Die Feier der Christmette in der Heiligen Nacht ist unter Strafe verboten! „Himmel sakra!“, schimpft der Franz. „Das geht zu weit!“ Andreas weist ihn zurecht: „Du sollst nicht fluchen, Franz. Aber natürlich hast du recht.“ Die Dörfler sollen die Christmette auf den Weihnachtsmorgen verlegen. Was für eine unsinnige Idee! Der Heilige Christ ist in der Nacht geboren. Und in der Nacht wird seine Geburt gefeiert. Schluss, aus!

Ein Kampf für Gott und die Freiheit
In Johanns Schankstube beraten die Dorfbewohner sich mit dem Pfarrer. „Was glauben die Bayern eigentlich, wer sie sind?“, begehrt der Franz auf. „Erst verbieten sie uns die Prozessionen. Unsere Felder sollen wir nicht mehr segnen. Die Feiertage streichen sie uns zusammen. Und jetzt wollen sie uns die Christmette verbieten!“
Die Bayern sind die Verbündeten von Kaiser Napoleon. Mit einem Federstrich hat der unbesiegte General verfügt, dass Tirol zu Bayern gehört. Und nun will der bayerische König neue Sitten bei seinen Untertanen einführen. Doch das lassen die freiheitsliebenden Tiroler nicht so einfach mit sich machen.

Andreas schaut den Pfarrer an: „Hochwürden! Sie sind ein mutiger und frommer Mann. Bitte feiern Sie mit uns die Mitternachtsmette.“ Nachdenklich nickt der Pfarrer. Der Zorn der Männer könnte überkochen, wenn sie nicht zur Mette kommen dürfen. Diese Feier ist der Mittelpunkt ihres Glaubens. Die Bayern sind weit weg. Was soll schon passieren? „Die Kirche ist für euch offen. Immer.“

Gefahr in der Heiligen Nacht
In der Heiligen Nacht macht sich Andreas mit seiner Familie auf den Weg hinunter nach Sankt Martin. Still und friedlich liegt das Kirchlein da. Das warme Licht der Kerzen scheint durch die Fenster. Von überall her strömen die Menschen zusammen. Andreas nimmt den Hut ab, als er die Kirche betritt. Andächtig beugt er die Knie vor dem Allerheiligsten. Stolz und glücklich sitzt er mit seiner großen Kinderschar in der Kirchenbank und lauscht den Worten des Pfarrers. „Frieden!“, haben die Engel den Hirten verkündet. Andreas weiß, dass die Zeiten heuer gefährlich sind. Kriege drohen. Die Herrscher wollen ihre Macht immer weiter ausdehnen. Doch Andreas vertraut auf Gott und den Kaiser in Österreich. Der wird’s schon richten.

Die Mette ist fast vorüber. Plötzlich schlagen die Kirchenportale krachend auf. Soldaten in den bayerischen Landesfarben stürmen die Kirche. Die Gewehre im Anschlag. Ängstlich klammert sich seine kleine Tochter Rosina an Andreas Hosenbeinen fest. In der Kirche ist es totenstill. Drohend stolziert der Hauptmann der Truppe durch den Mittelgang der Kirche nach vorne. Da verlässt Andreas seine Bank. Schützend stellt er sich vor den Pfarrer. Mit ihm verlassen auch die übrigen Männer ihre Plätze. Die Luft ist zum Zerreißen gespannt. Andreas ergreift das Wort: „Wollt ihr in der Heiligen Nacht Blut vergießen?“ Der Hauptmann schaut dem furchtlosen Mann in die Augen. „Verlasst die Kirche. Sofort!“, zischt er. „Meine Kinder“, bittet der Pfarrer. „Folgt seiner Anweisung. Ich werde euch den Schlusssegen draußen erteilen.“„Das hat ein Nachspiel!“, droht der Hauptmann. „So wahr ich hier stehe“, antwortet ihm der Sandwirt.

Monika Schell
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