Hof-Theater

Wir schreiben das Jahr 1759. Am Königshof in Wien herrscht freudige Aufregung. Die Prinzen und Prinzessinnen studieren ein Theaterstück ein. Sie wollen ihren Vater damit überraschen.
Andreas Ganther
Andreas Ganther

Du bist gleich dran!“, stupst Maria Amalia ihren Bruder Maximilian an. Der Dreijährige verfolgt gebannt das Geschehen auf der Bühne. Er ist der Jüngste der Kinderschar. Es ist seine erste Aufführung. „Oh, ja!“, flüstert er. Um ein Haar hätte er jetzt glatt seinen Einsatz verpasst. Der Saal ist mit Blumen und Girlanden festlich geschmückt. Die Kerzen brennen in den Kronleuchtern. Alles funkelt und glitzert. Der Duft der Blumen durchzieht den Raum. Mutig marschiert Maximilian nach vorne. Seinen kurzen Text kann er auswendig. „Schau mal, ob mein Kostüm richtig sitzt!“, bittet Johanna Gabriele ihre ältere Schwester Maria Elisabeth. Elisabeth zupft ein bisschen hier und da. Bei jeder Bewegung rascheln die Rüschen der Kleider mit. „So ist es gut!“, meint sie schließlich. Die Prinzessinnen tragen wunderschöne Kleider für die Aufführung. Ihre Haare sind kunstvoll aufgesteckt. Sie wirken sehr vornehm. „Soll ich mir noch diese Blumen ins Haar stecken?“, flüstert Johanna Gabriele. Sie ist sich unsicher. Elisabeth betrachtet kritisch die Frisur ihrer Schwester. „Ja, das passt!“, entscheidet sie. Die Prinzen tragen vornehme Anzüge und sehen aus wie erwachsene Adelsleute. Sie sind sichtlich stolz darauf.


Mächtig aufgeregt

Die Geschwister halten Generalprobe. Die Stimmung ist fröhlich und zugleich ein bisschen gespannt. Die jungen Schauspieler sind aufgeregt. Alles soll reibungslos laufen. Maria Amalia schaut immer wieder nervös in ihren Text. „Du kannst deinen Part. Mach dich nicht verrückt!“, muntert Elisabeth sie auf. Sie wollen am Abend ihren Vater Kaiser Franz Stephan mit dem Theaterstück überraschen. Er hat Namenstag. Das Stück wurde extra für die Kinder und zu diesem Zweck geschrieben. Es enthält Text-, Musik- und Tanzeinlagen. 


Die Königin kommt

„Fein, dass wir jetzt proben. Fällt heute Mathematik aus“, freut sich Karl Joseph. Auch die Prinzen und Prinzessinnen haben jeden Tag Unterricht. „Das müssen wir bestimmt morgen nachholen“, befürchtet sein Bruder Ferdinand Karl. Auch er muss schon fleißig lernen. 
Plötzlich geht die Tür auf und Königin Maria Theresia erscheint. Für einen Moment verstummt jedes Gespräch. Mit einem Kopfnicken und einer Handbewegung hebt ihre Majestät das respektvolle Schweigen auf. „Fahrt ruhig fort!“, ordnet sie an. Nach einem Gespräch mit ihren Ministern nimmt sich die Königin Zeit, um nach ihren Kindern zu schauen. Sie ist neugierig, ob die Theaterprobe gut klappt. Wo es geht, fördert sie ihren Nachwuchs. „Ferdinand, du sollst nicht an den Nägeln kauen! Halt dich gerade!“, ermahnt sie ihren Sohn. Es ist wichtig, dass die Prinzen und Prinzessinnen von klein auf lernen, sich richtig zu benehmen. Als spätere Regenten und Ehefrauen von Fürsten und Königen werden sie immer im Rampenlicht stehen, müssen sie für ihre Untertanen ein Vorbild sein. „Sehr schön!“, lobt die Erzherzogin ihre Kinder, als sie eine Weile die Theateraufführung verfolgt. „Ich freue mich auf heute Abend! Euer Vater wird begeistert sein.“


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Voller Erfolg

Abends ist der Saal mit erlauchten Gästen gefüllt. Zu so einem Fest eingeladen zu sein, ist für die Fürsten und Fürstinnen eine große Ehre. Franz Stephan wartet gespannt, was seine Kinder vorbereitet haben. „Ich bin so aufgeregt! Hoffentlich verhasple ich mich nicht!“, flüstert die kleine Maria Antonia. Dann geht der Vorhang auf und Ferdinand leitet die Handlung mit einem Paukenschlag ein. Alles läuft prima. Die Vorführung ist ein voller Erfolg. Das Publikum klatscht begeistert Beifall. „Gut gemacht!“, ruft Franz Stephan seinen Kindern zu. Auch Maria Theresia ist stolz auf die Prinzen und Prinzessinnen. 

Gudrun Schriever
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