Über das Meer der Finsternis

Indianer – so nennen wir noch heute die Ureinwohner Amerikas. Der Seefahrer Christoph Kolumbus gab ihnen diesen Namen. Er landete vor 525 Jahren mit seinen Schiffen in Amerika. Aber er war fest davon überzeugt, „las Indias“ erreicht zu haben. Ein großer Irrtum.
Andreas Ganther
Andreas Ganther

Rodrigo hockt im Ausguck der „Pinta“. Bis zum Horizont erstreckt sich der unendliche Ozean. Mit drei Schiffen sind sie unterwegs, um den Seeweg nach Ostasien zu finden. Schon ewig, meinen Rodrigo und die anderen Seeleute. Sie haben jedes Gefühl für die Zeit verloren. Und jede Hoffnung, irgendwo Land zu finden. Nur der Oberbefehlshaber und Kapitän der „Santa Maria“, Christoph Kolumbus, glaubt noch daran. Unermüdlich beobachtet Rodrigo das Meer und den Himmel. Er hat ein mulmiges Gefühl. Immer mehr dunkle Wolken türmen sich am Himmel. Das Wasser ist unruhig geworden. Hohe Wellen brechen sich an der Bordwand der schweren Segelschiffe. Nicht zum ersten Mal auf dieser Fahrt kämpfen sie sich durch furchtbares Unwetter. Bislang ist nichts passiert. Aber wie lange wird ihnen das Schicksal noch hold sein?

Schwarz wie die Nacht sind Himmel und Wasser zu einer einzigen dunklen Bedrohung verschmolzen. Das Meer der Finsternis macht seinem Namen alle Ehre. Doch Kolumbus lässt die Segel nicht einholen. Die Segel der „Santa Maria“ werden lediglich auf Sturm gerefft. Und die anderen Kapitäne folgen seinem Beispiel. Längst hat Rodrigo sich mit einem Tau am Mast festgebunden. Zu leicht könnte er bei einer heftigen Bewegung des Schiffes aus dem Ausguck geschleudert werden. Mit rasender Geschwindigkeit pflügt die „Pinta“ durch das Wasser. Rodrigo hat die anderen Schiffe aus dem Blick verloren. Stoßgebet um Stoßgebet schickt er in den Himmel, während die Fluten sich über Schiff und Mannschaft ergießen. Endlich graut nach einer furchtbaren Nacht der Morgen. Ermattet hängt Rodrigo im Ausguck. Seine Blicke wandern über den Horizont. Er sucht die anderen Schiffe. Da! Was ist das? Er reibt sich die Augen. Ein dunkler Streifen. Gar nicht so klein. Zeichnen sich da Bäume ab? Land! Das ist Land! „Land in Sicht!“, brüllt er aus Leibeskräften. In Windeseile sind seine Kameraden auf den Beinen. Kolumbus hatte recht. Sie haben „las Indias“ wirklich gefunden.


In den nächsten Stunden stoßen auch die beiden anderen Schiffe wieder zu ihnen. Die Freude und der  Jubel sind unbeschreiblich, als sie vor der Küste die Anker werfen. Sie lassen Boote ins Wasser hinab. Eine kleine Abordnung von jedem Schiff rudert zum Strand hinüber. Rodrigo darf dabei sein. Schließlich hat er als Erster Land gesehen.
Die Ankunft der Schiffe ist den Bewohnern des Landes nicht verborgen geblieben. Sie kommen den Seefahrern entgegen. Rodrigo weiß nicht so genau, wo er hinschauen soll. Die Menschen tragen keine Kleidung. Sie sind vollkommen nackt. Kolumbus nimmt das Land für die spanischen Könige in Besitz. „Das Land soll „San Salvador“ heißen“, bestimmt er. Rodrigo wundert sich ein wenig. Kann man ein Land, in dem schon Menschen leben, einfach in Besitz nehmen? Nun, wenn Kolumbus das macht, wird schon alles seine Ordnung haben. Kolumbus wendet sich den Menschen zu. Er hat Gastgeschenke mitgebracht: Glasperlen und Glöckchen. „Seid mir gegrüßt, ihr Indianer“, sagt er. Die Indianer verstehen kein Wort. Doch sie nicken freundlich zu seinen Worten. Was für nette, friedliche Menschen, denkt Rodrigo.

Monika Schell

Der neue Kontinent 

Kolumbus hatte einen neuen, bis dahin vollkommen unbekannten Kontinent entdeckt. Am 12. Oktober 1492 betrat er die Bahama-Insel Guanahani vor der amerikanischen Küste. Bis an sein Lebensende war er fest davon überzeugt, auf allen seinen Reisen über den Atlantik, nach „las Indias“ gesegelt zu sein. Auf einer Weltkarte aus dem Jahr 1507 wird zum ersten Mal der Name „Amerika“ für den neuen Kontinent angegeben.
Illu: Andreas Ganther

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