Die Wochenend-Rebellen

Jason und sein Vater Mirco reisen an den Wochenenden von Stadion zu Stadion. Jason ist Fußballfan. Er sucht nach dem richtigen Verein, den er unterstützen möchte. Er hat das Asperger-Syndrom. Entscheidungen wägt er gut ab.
Foto: Sabrina Nagel
Foto: Sabrina Nagel

Versprochen ist versprochen. Ein Versprechen muss man halten, es geschieht schließlich nicht zufällig. „Sonst wäre es ein Versehen“, sagt Jason. Versprechen sind für den Zwölfjährigen heilig, und für seinen Vater auch. Für die beiden begann vor sechs Jahren eine Reise, die so nie geplant war. Es war nach ihrem ersten gemeinsamen Besuch eines Fußballspiels in einem Stadion. Die Fans in ihren unterschiedlichen Trikots, die Banner und Fahnen, das faszinierte den damals knapp Sechsjährigen. Er wollte auch Fan eines Vereins sein. Aber gerade das ist für Jason nicht einfach so möglich.

Jason hat einen besonderen Blick auf seine Umwelt, die Ereignisse und Situationen. Er versteht komplexe Dinge in kürzester Zeit, betrachtet Fragestellungen von allen Seiten, bevor er eine Lösung finden kann. Jason hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Für ihn war klar: „Dann müssen wir uns die wohl alle anschauen, bis ich mich entscheiden kann“, erklärte er seinem Vater. Und Mirco von Juterczenka versprach ihm, dass sie das tun würden. So begannen ihre Wochenendreisen zu den Fußballstadien Deutschlands und Europas. Sie wurden die „Wochenendrebellen“.
Mehr als 50 Stadien haben die beiden seitdem besucht. Jason kennt alle Vereine der ersten und zweiten Liga. Aber für eine Entscheidung reicht das noch nicht.
 
Regeln und Ehrlichkeit
Als ihm einmal ein St.-Pauli-Fan zurief: „Wir kommen aus dem Norden, wir rauben und wir morden“, antwortete Jason: „Wir kommen aus Kassel und suchen für mich einen Lieblingsverein.“ Jason nimmt alles wörtlich und sagt ganz direkt und geradeheraus, was er denkt. „Schmerzhaft direkt und brutal ehrlich“, umschreibt es sein Vater. Regeln sind für Jason sehr wichtig. Sie dürfen nicht gebrochen werden. Das macht ihn wütend. Dann schreit er, schimpft oder wird aggressiv. „Solange alle meine Regeln beachten, ist es unauffällig“, erklärt Jason, was das Asperger-Syndrom für ihn bedeutet. „In meinem Fall würde es genügen, wenn mich meine Klassenkameraden einfach in Ruhe lassen würden“, sagt er.

In den ersten vier Schuljahren begleitete eine Schulassistentin Jason im Unterricht. Heute geht er auf ein Gymnasium, ist ein guter Schüler. Als er das erste Zeugnis mit durchweg guten Noten bekam, freute er sich über die Symmetrie. Denn in jedem Fach hatte er die gleiche Note. Jason interessiert sich für andere Dinge als seine Mitschüler. Er redet gerne über Schwarze Löcher oder wie man die Klimakatastrophe verhindern könnte. Das Asperger-Syndrom besteht für ihn aus Behinderungen und Behilflichkeiten. „Behilflichkeiten sind meine Spezialinteressen und meine Kenntnisse darin“, erklärt er. „Die Behinderungen entstehen nur, wenn meine Mitmenschen meine Regeln missachten.“ Darin liegen auch die Herausforderungen bei ihren Reisen. „Menschenmengen, Lautstärke und unstrukturierte Systeme – sind alles das, was ich hasse. Die ganze Woche über bin ich mit solchen Dingen überfordert. Aber in Stadien stört mich das nicht“, erzählt er.

Für Vater und Sohn sind die Touren mittlerweile mehr als ein Versprechen. Sie haben die beiden näher zusammen gebracht. Sie sind für Jason aber auch so etwas wie ein Training im Umgang mit Alltagssituationen. Für ihn geht es auch nicht mehr nur darum, einen Lieblingsverein zu finden. „Heute möchte ich ein schönes Stadion sehen und natürlich viel und weit reisen.“ Das werden die Wochenendrebellen weiterhin machen. Versprochen ist versprochen.

Bianca Pohlmann

Autismus

Wer autistisch ist, kapselt sich von seiner Umgebung ab. Ein Autist hat Probleme, mit seinen Mitmenschen in Kontakt zu treten. Er braucht feste Regeln und Strukturen. Es gibt unterschiedliche Formen von Autismus. Manche Autisten – wie z. B. beim Asberger-Syndrom – können als Erwachsene ein relativ normales Leben führen. Andere brauchen ein Leben lang Unterstützung.
Fotos: Judith Bornemann

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Foto: privat

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Foto: Concorde Filmverleih

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Fotos: Heinz Heiss

Ein Verfolger auf Rollen

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