Ein Verfolger auf Rollen

Die beiden Geschwister Marla und Silvan Laidler sind Erfinder. Um kranken Menschen zu helfen, haben die beiden Schüler einen Rollstuhl entwickelt, der hinter dem Patienten fährt, wenn dieser wieder gehen lernt.
Fotos: Heinz Heiss
Fotos: Heinz Heiss

Langsam setzt Marla einen Fuß vor den anderen. Die 13-Jährige ahmt einen kranken Menschen nach, der das Laufen erst wieder lernen muss. „Verfolgt“ wird das Mädchen mit den braunen, langen Locken dabei von einem Rollstuhl. Der fährt ihr mit einem Schritt Abstand immer genau hinterher. Ganz automatisch, niemand schiebt ihn an. Diesen selbstfahrenden Rollstuhl hat Marla zusammen mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder Silvan erfunden, entwickelt und gebaut. „Shadow“, auf Deutsch „Schatten“, haben die Geschwister ihre Erfindung genannt, weil er seinem Besitzer wie ein Schatten folgt.

„Als unsere Mutter wegen ihres gebrochenen Arms im Krankenhaus war, haben wir dort viele Menschen im Rollstuhl gesehen“, erzählt Marla. „Einige mussten nach einem Unfall oder einer Krankheit das Laufen erst wieder lernen. Doch sie konnten nur üben, wenn ein Pfleger Zeit hatte, den Rollstuhl hinter ihnen herzuschieben.“ Die beiden Tüftler unterhielten sich mit den Patienten. Sie würden gerne häufiger das Gehen trainieren, bekamen die Achtklässlerin und der Zehntklässler oft zu hören. Also beschlossen sie, in ihrer Schul-AG „Jugend forscht“ am Max-Planck-Gymnasium im schwäbischen Heidenheim ein Projekt daraus zu machen. „Marla wollte unbedingt den Menschen helfen. Mir ging es dabei vor allem ums Tüfteln und Programmieren“, erzählt der 15-jährige Silvan, der bereits in der dritten Klasse begann, Computer-Programme zu schreiben.

Mit an Bord: Kamera und Computer
Auch in „Shadow“ steckt eine Menge Technik. In der Rückenlehne des Rollstuhls sitzt eine Kamera, die den Patienten filmt. Ein kleiner Computer unter dem Sitz überträgt kabellos die Bilder an einen größeren Rechner. Der bestimmt, wie schnell und in welche Richtung der Rollstuhl fahren oder wann er stoppen muss, damit der Patient sich wieder setzen und ausruhen kann. Das Computer-Programm dazu hat Silvan selbst geschrieben. Und er entwickelt es ständig weiter. „In Zukunft soll es noch eine Funk-Fernbedienung geben. Und eine Website, mit der Pfleger bis zu zwölf Rollstühle überwachen können.“

Silvan und Marla haben für ihre Erfindung bereits mehrere Preise bekommen. Beim baden-württembergischen Landeswettbewerb „Jugend forscht“ gewannen sie 2017 in der Sparte „Schüler experimentieren“ den ersten Platz. Beim Artur-Fischer-Erfinderpreis wurden sie in ihrer Altersklasse Dritte. Bei der Internationalen Erfindermesse in Nürnberg gab es im vergangenen Jahr eine Silbermedaille. „Da waren wir noch mit unserem ersten, kleinen Modell. Dieses Jahr zeigen wir dort den weiterentwickelten Sportrollstuhl. Vielleicht treffen wir Firmen, die ihn für Krankenhäuser bauen möchten“, sagt Marla, die vor allem für das Entwerfen und Zeichnen verantwortlich ist, aber auch Kabel verlegt, schraubt und lackiert. Die beiden hoffen auf einen Sponsor, der den Rollstuhl dann produziert und in Serie bringt. Über die anfallenden Kosten haben sie daher noch keine Vorstellung.

Es ist nicht überraschend, dass beide Geschwister in der Schule gerne Naturwissenschaften, Mathe und Physik mögen. Marla steht zudem auf Biologie. Später würde sie gerne Tiermedizin studieren. Zuhause kümmert sie sich zusammen mit Silvan um ihre Mischlingshündin Nelany. Außerdem ist sie begeisterte Reiterin. Silvan würde am liebsten Informatik studieren und später Verschlüsselungs- und Sicherheitsprogramme für Computer entwickeln. In der Schule gilt er schon jetzt als Profi für viele Technikfragen. Wenn es irgendwo mal nicht läuft, hört man oft aus den Lautsprechern: „Silvan, kannst du bitte mal kommen ? Der Computer läuft nicht.“ Der 15-Jährige, dem häufig beim Laufen die besten Ideen kommen, hilft gerne. Ob bei Hausaufgaben, vor Klassenarbeiten, als Nachhilfelehrer oder in der Schultechnik. „Schließlich lerne ich auch von anderen, die irgendwann mal etwas herausgefunden haben und davon berichten.“

Alexandra Wolters
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