Vom "Kleider-Drehen" und "Schenkel-Klopfen"

Sie sind Geschwister, Freunde – und Tanzpartner. Celina ist zwölf, ihr Bruder Simon neun. Und die zwei tanzen in einem bayerischen Trachtenverein. Wo sich die Röcke drehen müssen und die Jungs lus­tige Sprünge machen.
Fotos: Judith Bornemann
Fotos: Judith Bornemann

Es sieht schon ein wenig ulkig aus, wie Simon über die Tanzfläche schreitet. Wie in Zeitlupe setzt er einen Fuß vor den anderen. Doch der Neunjährige übt einen ganz bestimmten Tanz: das Schuhplatteln. Man sieht ihm an, wie sehr er sich auf den Tanz, die Schrittfolgen und seine Sprünge konzentrieren muss. Irgendwann aber soll es ganz leicht aussehen.

Er und seine ältere Schwester Celina machen mit in der Jugendgruppe des Trachtenvereins Gersthofen. Das liegt nahe bei Augsburg in Bayern. Hier ist das Schuhplatteln beheimatet. Während Simon über die Tanzfläche schreitet, kreiselt ein großer dunkelblauer Rock um ihn herum. Celina übt gleichzeitig ihren Part: das sogenannte Dirndldrehen. Dabei dreht sich die Tanzpartnerin ununterbrochen im Kreis, sodass der Rock ihres Dirndls aussieht wie ein Teller. Für Celina heißt es: im Takt, Augen immer geradeaus, lächeln, die eine Hand an die Hüfte, die andere hält die Schürze ein wenig nach außen hoch. „Das meint man nicht, das ist aber ganz schön anstrengend!“, sagt Celina. Denn während ihr Bruder seine Sprünge vollzieht und „plattelt“, dreht sie sich im Kreis, bis er fertig ist und sie gemeinsam im Walzerschritt weitertanzen. Beide sind mit dem Platteln und Dirndldrehen groß geworden. Viele der Mittänzer sind ihre Freunde. Die Kinder und Jugendlichen kennen sich gut. Und sie helfen sich gegenseitig.

„Man braucht schon ein paar Jahre, bis man das richtig gut kann. Darum üben wir regelmäßig“, sagt Celina. Nun ist ein weiterer Schuhplattler in den Kreis zu dem Tanzpaar getreten. Sebastian ist 17 und hat schon viel Erfahrung. Er zeigt als zweiter Jugendleiter Simon die Abfolge der Schritte und Sprünge. „Du bist völlig aus dem Takt. Schau, dass du mitzählst.“ Nun kommen wieder alle Kinder auf die Tanzfläche, um einen anderen Tanz zu üben. Denn in wenigen Tagen ist ihr nächster Auftritt. Sebastian springt kurzerhand ein, als klar wird, dass an diesem Nachmittag einige Tanzpartner fehlen. „Wir platteln und drehn alle sehr gerne, und wir finden den Sport nicht uncool“, erklärt Celina. „Das macht eben nicht jeder. Und das ist etwas, das auch schon unsere Eltern und Groß­eltern gemacht haben und heute noch teilweise machen. Das ist etwas Besonderes.“

22 Tänzerinnen und Tänzer zwischen zwei und 15 Jahren gehören zur Jugendgruppe des Vereins. Und wenn ein kleiner Herr zum Tanzen fehlt, dann springt eben einer wie „Baschdi“ ein und tanzt mit der fünfjährigen Mathilda. „Bei uns hilft jeder jedem. Egal, wie alt oder jung, wie groß oder klein er ist. Das ist das Schöne. Darum fühlen wir uns hier auch so wohl.“  Simon findet sein Hobby ungewöhnlich, und das reizt ihn.

Passende Kleidung
Beim Platteln trägt das Tanzpaar die Tracht. Die Jungen tragen eine Lederhose, ein Hemd, eine Jacke, einen Hut und besondere Schuhe. Und die Mädchen einen blauen Rock mit einer meist weißen Schürze und einem schwarzen Samtmieder über einer weißen Bluse mit grüner Kordel. Wenn sie Schmuck tragen, sollte der unbedingt zur Kleidung passen. In Gersthofen ist es eine Kette aus schwarzem Samtband mit einem Trachtenanhänger. Da die Schuhplattler unter anderem auch Hosenträger tragen, hält Simon seine Hände schon jetzt in Jeans und Pulli so, als würde er in Tracht tanzen. „Es ist wichtig“, erklärt Jugendtrainerin Karin Hauber, „dass die Hände immer auch schon beim Training an der richtigen Stelle sind. Wir sagen gern: Hände aufräumen! Die Kinder wissen dann genau, wie ihre Körperhaltung sein soll.“

Einmal in der Woche treffen sich die Kinder und Jugendlichen zum Training. Bald steht ein Wertungsplatteln an – Simon möchte auch daran teilnehmen und zeigen, was er schon kann. Es sieht so leicht aus, wie Sebastian hochspringt, sich auf die Schenkel, Knie und Fußsohlen klatscht, auf dem Boden laut aufstampft und sich aus dem Sprung vor die Tanzpartnerin hinkniet, um dann gemeinsam mit ihr weiterzutanzen. Simon stehen inzwischen die Schweißperlen auf der Stirn. Aber er lächelt – Aufgeben kommt nicht infrage.

Judith Bornemann

Schuhplatteln

Schuhplatteln ist ein besonderer Tanz. Forscher vermuten, dass es zu den ältesten Tänzen überhaupt gehört. Schon vor vielen Hundert Jahren soll es Tänze gegeben haben, die ein bisschen wie Schuhplatteln aussahen. Mit Springen, Klatschen und Rufen wollten die Tänzer früher wahrscheinlich erreichen, dass ihnen alle beim Tanzen zuschauten. Den Mädchen wollten sie vermutlich zeigen: Schaut her – ich bin ein ziemlich toller Typ! Schuhplatteln hat sich vor allem in Gegenden in Bayern und einigen Teilen von Österreich entwickelt. Dort gibt es auch heute noch die meisten Menschen, die schuhplatteln können.
Foto: privat

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Foto: Sabrina Nagel

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Foto: Concorde Filmverleih

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Fotos: Heinz Heiss

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